Berlin - Für die Grünen in Berlin ist der Ausbau des umweltfreundlichen Radverkehrs genauso wichtig wie der Naturschutz. Doch das sorgt jetzt im Bezirk Steglitz-Zehlendorf für ein Problem. Dort plant die grüne Umweltstadträtin Maren Schellenberg den Bau eines Teilstücks des Fernradweges Berlin-Leipzig mitten im Gemeindepark Lankwitz, in dem gerade Wildbienen entdeckt wurden, die unter Artenschutz stehen.

Bienen stehen unter Artenschutz

Zwischen Mühlenstraße und Sonderhausener Straße ist die Anbindung an den Fernradweg geplant. Die EU zahlt dafür 705.000 Euro. Ein Teil der Strecke soll nach Willen des Bezirks mit etwa 100 Meter Länge und 3,20 Meter Breite durch den Park führen und nun gebaut werden. Bisher ist dort eine herrliche Wiesenallee, auf der nun der Naturschützer Nicolas Bramke und seine Frau Kathrin zahlreiche Wildbienennester entdeckten.

Die kleinen Sandhügel auf dem Wiesenboden sind gut zu erkennen. Das Ehepaar sah, wie aus den Öffnungen Bienen herauskamen, fotografierten sie. „Etwa 50 Nester haben wir gezählt, aus denen unter anderem die Fuchsrote Sandbiene kroch“, sagt Nicolas Bramke. „Wildbienen stehen laut Bundesartenschutzverordnung unter besonderen Schutz. Der Radweg würde sie vernichten.“

Grünen-Politikerin Maren Schellenberg will nicht vom Fahrradweg lassen

Über 320 Wildbienen-Arten gibt es in Berlin, die Hälfte ist vom Aussterben bedroht. Wie im Park Lankwitz bauen sie gerade überall ihre Nester. Bis zu 70 Zentimeter tief ins Erdreich, um dort ihre Eier abzulegen. Etwa zehn Larven bleiben dort pro Nest ein Jahr lang im Boden, um im nächsten Frühjahr als neue Wildbienen-Generation zu schlüpfen. „Doch baut man darüber einen Asphaltweg, schließt man die Schlupflöcher der Nester, die nächste Bienengeneration kommt nicht heraus und stirbt“, sagt Wildbienen-Experte Dr. Christian Schmid-Egger. „Die beste Alternative wäre, den Radweg auf eine andere Stelle zu verlegen.“

Die gäbe es 50 Meter entfernt vom Park an der Mühlenstraße bis zur Kreuzung Gallwitzallee. Die Strecke war vor Jahren noch für den Radweg vorgesehen – und nicht der Park. Aber der Bezirk änderte den Plan. „Für die Alternative Mühlenstraße müssten Ampelbereich und Teile der Fahrbahn für den Radweg umgebaut werden. Dafür müssten Bäume gefällt werden“, sagt die zuständige Stadträtin Schellenberg.
Sie will nun die Bienen-Nester begutachten lassen, aber nicht vom Park-Radweg lassen. „Bestätigt sich der Fund, werden wir eine Ausnahmegenehmigung beantragen, mit den Behörden nach einer Lösung suchen“, sagt Schellenberg. Doch Experte Schmid-Egger warnt bereits: „Eine denkbare Umsetzung der Nester geht nicht.“