Die Aufregung ist groß im Berliner Südosten. Vor wenigen Tagen teilte der Senat mit, dass der Müggelsee, Teile des angrenzenden Fredersdorfer Mühlenfließes sowie das ehemalige Mündungsgebiet der Müggelspree „Die Bänke“ unter Landschafts- und Naturschutz gestellt werden sollen. Jetzt befürchten Anwohner und Wassersportler massive Einschränkungen bei Naherholung und Sport. Dutzende Vereine haben am See Bootshäuser, es gibt Hunderte Steganlagen. Für sieben Segelvereine, darunter Bundes- und Landesleistungsverbände sowie eine Sport-Eliteschule, ist der Müggelsee, Berlins größtes Gewässer, Trainings- und Regattarevier.

„Wir fürchten, dass etwa Regatten kaum noch möglich sein werden, weil fast ein Drittel des Sees unter Naturschutz gestellt wird“, sagt Heidolf Baumann vom Bezirkssportbund. Vor allem seien Motorboote, die bei Wettkämpfen als Begleitfahrzeuge vorgeschrieben seien, dort wohl künftig verboten.

Der Senator beruhigt

In der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, zu dem die Oberste Naturschutzbehörde gehört, versucht man zu beruhigen. „Der Müggelsee bleibt als Sportstätte erhalten“, teilt Senator Andreas Geisel (SPD) mit. Alle muskelbetriebenen Sportarten, also Rudern, Kanufahren, Segeln und Schwimmen, sowie andere Formen des Wassersports seien wie bisher weiter möglich. Das gelte auch für das Training der Sportleistungsverbände. Ein entsprechendes Schreiben an den Bezirkssportbund sei unterwegs, hieß es am Mittwoch. Boots-Paraden, Regatten und Schwimmveranstaltungen mit Begleitbooten benötigen laut Geisel Genehmigungen. Diese würden in der Regel aber „problemlos erteilt.“ Ebenso solle generell kein Bootssteg abgerissen werden. Tourismus und Naherholung seien auf ausgewiesenen Wegen uneingeschränkt möglich.

Das Land, erläutert der Projektleiter Gunther Rojahn von der Obersten Naturschutzbehörde, setze mit der Ausweisung der Schutzgebiete lediglich um, was bereits Ende der 1990er-Jahre als Absicht verkündet worden sei: „Damals haben wir den Bereich des Müggelsees als FFH-Gebiet bei der EU-Kommission angemeldet.“ FFH bedeutet Flora, Fauna, Habitat, das heißt Lebensräume von Tier- und Pflanzenarten. Diese FFH-Erklärung soll jetzt Landesrecht werden.

Um welche Gebiete es sich dabei handele, sei mit den Sportvereinen im Konsens ausgehandelt worden. Rojahn räumt ein, dass vor allem am Westufer jetzt ein weit größeres Stück unter Naturschutz gestellt werden soll als vereinbart: „Dort sollen Schilf- und Röhrichtgebiete geschützt werden, ebenso ein Rastgebiet für Zugvögel.“ Deshalb führe dort auch der Europa-Radweg etwas entfernt vom Ufer entlang. Dennoch sei dort Wassersport weiterhin uneingeschränkt möglich.

Im Gebiet der „Bänke“ in Rahnsdorf werden ein großes Seerosenfeld, ein Erlenbruch und eine Trauerseeschwalbenkolonie geschützt, ebenso Biber und Fischotter.

Feuerwerk verboten

Verboten in den Naturschutzgebieten sind unter anderem Partyboote, verankerte Hausboote sowie Campen und Feuer. Nur auf ausgewiesenen Wegen darf man wandern, radeln oder reiten. Baden an ausgewiesenen Badestellen ist weiter erlaubt. Im Landschaftsschutzgebiet sind die Regeln nicht ganz so streng, aber auch dort darf nicht gezeltet werden, sind Hunde an kurzen Leinen zu führen und ist Feuerwerk verboten.

Für geplante Veranstaltungen am Ufer braucht man künftig Genehmigungen. Diese erteilt das Bezirksamt Treptow-Köpenick. Für alles, was auf dem Wasser stattfinden soll, ist wie bisher das Wasser- und Schifffahrtsamt des Bundes zuständig. Ausgenommen vom Schutz sind traditionelle Ausflugsorte wie Rübezahl, Müggelhort und Neuhelgoland sowie das Strandbad Müggelsee.

Die Unterlagen zur Verordnung liegen bis zum 16. 9. in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Am Köllnischen Park 3, aus; Mo–Fr 9–18 Uhr, Infos unter www.stadtentwicklung.berlin.de