Ein offener Brief aus dem fernen Bayern sorgt derzeit für Aufregung in Berlin. In dem Schreiben geht es um eine Grundschule in Mariendorf. Seit 1958 trägt die Einrichtung an der dortigen Königstraße den Namen des einstigen Berliner Zoo-Direktors Ludwig Heck (1860-1951). Niemand an der Schule, im Bezirk Tempelhof-Schöneberg und im Senat schien sich bisher daran zu stören, dass der Mann, der als Zoologe bei den Berlinern einst sehr beliebt war, auch mit seinen Rassentheorien bei den Nazis großes Ansehen genoss. Jetzt fordern zwei Vereine in einem offenen Brief den Senat und die Schulbehörde auf, dass die Ludwig-Heck-Grundschule ihren Namen ändert.

Vertreter vom „Forum kritische Psychologie“ und dem Münchener „Institut für Kunst und Forschung“ haben den Brief geschrieben. Darin prangern sie es als „skandalös und völlig inakzeptabel“ an, „dass eine öffentliche Grundschule bis heute unbeanstandet nach einem ausgewiesenen Rassisten und Nationalsozialisten benannt ist“. „Nicht einmal auf der Ehrentafel für Heck am Eingang und auf der Internetseite der Schule ist ein Hinweis dazu versehen“, sagte Colin Goldner vom „Forum der kritischen Psychologie“ der Berliner Zeitung.

Ludwig Heck war von 1888 bis 1931 Direktor des Berliner Zoologischen Gartens. Als Forscher beschäftigte er sich mit der zoologischen Rassenkunde. In seiner Amtszeit fanden zahlreiche rassistische Völkerschauen im Zoo statt, wo unteranderem auch Menschen aus Afrika als „Wilde“ zur Schau gestellt wurden, wird in dem offenen Brief kritisiert. Weiter wird in dem Schreiben dargestellt, dass Heck als zoologischer Rassenkundler „maßgeblich an der Entwicklung der nationalsozialistischen Rassenlehre beteiligt war“.

Höchste Ehrung von Adolf Hitler

„Heck war ein überzeugter Nazi, beteiligte sich nach seiner Amtszeit nachweislich an der Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe, einer 1935 von Heinrich Himmler geschaffenen Einrichtung“, sagte Brief-Mitverfasser Goldener. „Diese Einrichtung diente dazu, die NS-Rassenideologie des arischen Herrenmenschen wissenschaftlich zu untermauern und die ethnische und kulturelle Verfolgung anderer Rassen pseudowissenschaftlich zu legitimieren.“ Anlässlich seines 80. Geburtstages im Jahre 1940 wurde Ludwig Heck von Hitler höchstpersönlich mit der „Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft“, der höchsten „Kulturauszeichnung“ des NS-Staates, geehrt.

Auch sein Sohn Lutz Heck (1892-1983), der die Leitung des Berliner Zoos 1932 übernahm, war ein aktiver Nationalsozialist. Im Zuge der Aufarbeitung der Geschehnisse im Zoo während der Nazi-Diktatur wurde vergangenes Jahr die dortige Büste von Lutz Heck mit einer Tafel ergänzt, die unter anderem auf seine NSDAP-Mitgliedschaft hinweist.

Zumindest solche Hinweise seien nun auch für die Grundschule in Mariendorf mehr als notwendig, die den Namen von Ludwig Heck trägt. Bisher gab es auf dem offenen Brief aus Bayern wenig Reaktion in Berlin. Von der Schule gab es keinen Kommentar. Die Schulverwaltung leitete nur die Forderung zur Schulumbenennung zur weiteren Bearbeitung an den Bezirk Tempelhof-Schöneberg weiter.