Einschulungsfeier an der Grundschule in der Köllnischen Heide: Hand in Hand gehen die Schwestern Faten und Jana Aldhaywi.
Foto: Volkmar Otto

Berlin Morgens steht Schulleiter Dirk Kwee am Eingang des Heinz-Berggruen-Gymnasiums im Westend, um seine Schüler zu begrüßen und Masken zu verteilen. Für die wenigen Schüler, die sie vergessen haben. Nach zwei Tagen Regelbetrieb kam am Mittwoch der Anruf eines Elternteils: Es täte ihnen schrecklich leid, aber ihre Tochter sei Corona-positiv. Die Klasse 6b hatte gerade Sportunterricht, als die Nachricht sich wie ein Lauffeuer verbreitete. Die 31 Kinder sowie die neun Lehrkräfte, die sie am Montag und Dienstag unterrichtet haben, wurden umgehend in Quarantäne geschickt. Zum Glück hatten die Eltern der Sechstklässler alle die Möglichkeit, ihre Kinder von der Schule abzuholen. Und engagierte Lehrerinnen und Lehrer waren sofort bereit, für ihre vielleicht kontaminierten Kollegen einzuspringen.

Am Donnerstag kam gleich das Gesundheitsamt in die Schule, eröffnete ein Testzentrum in der Aula und machte Abstriche von den 40 Betroffenen. Die Ergebnisse sollen am Wochenende kommen, die gesunden Lehrer sollen am Montag wieder den Unterricht aufnehmen. Eine Mutter, die ihren Sohn zur Schule bringt, sagt, sie sehe die Sache mit dem Corona-Fall entspannt: „Ich habe Vertrauen, dass die Schulleitung verantwortungsvoll mit der Situation umgeht.“

„Nein, ich habe keine Angst!“, sagt ein Junge der 6a, der die betroffene Schülerin vom Sehen kennt. „Das war klar, dass das irgendwann auftreten musste. Nur eine Frage der Zeit. Aber ich hab mir vorgenommen, noch besser auf mich aufzupassen, die Abstände einzuhalten und so weiter.“ Die erste Schulwoche sei anstrengend gewesen, „man muss sich erst wieder daran gewöhnen, dass man nicht mehr ausschlafen kann“. Trotzdem freut er sich, dass der Unterricht wieder losgeht. Wegen der Abwechslung. „Und weil ich zu Hause manchmal dachte: Jetzt brauche ich jemandem, der mir das richtig erklärt. So von Mund zu Ohr.“

Frau Schallbruch, die an der Schule Mathematik unterrichtet, spürt das auch: Die neue Freude der Schüler über den Präsenzunterricht. „Es gibt Schüler, die sagen: Ach, die Stunde war schön! Und ich bekomme als Lehrerin mehr Wertschätzung als früher.“

Die meisten ihrer Kolleginnen seien trotz des Fernunterrichts gut mit ihrem Stoff durchgekommen. „Ich habe nicht den Eindruck, dass da große Wissenslücken entstanden sind.“ Für den Fall eines erneuten Lockdowns ist das Heinz-Berggruen-Gymnasium technisch besser gerüstet. Schallbruch und Kwee schwärmen davon, dass sie durch die Krise einen kostenlosen Zugang zur HPI-Schulcloud bekommen haben. Vor Corona hätten sie dafür viel Geld auf den Tisch legen müssen.

Aufgeregte Erstklässler an der Grundschule in der Köllnischen Heide

In Neukölln liegt derweil eine Woche nach unserem ersten Besuch wieder Aufregung in der Luft. Die Neuen sind da – zumindest ein Teil von ihnen. Die Einschulungsfeiern der 130 Erstklässler finden in der Grundschule in der Köllnischen Heide Corona-gerecht in fünf Teilen statt, über drei Tage. Am Freitag um 9 Uhr sitzen in der geschmückten Mensa etwa 20 stolze Familien mit ihren Abc-Schützen. An getrennten Tischen, alle mit Masken auf, und natürlich Schultüten, so weit das Auge reicht. „Mathe!“, sagt die sechsjährige Faten, als Schulleiterin Astrid-Sabine Busse sie fragt, was sie in der Schule lernen will. Sie wird heute gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester Jana eingeschult.

Todschick sehen die beiden aus in ihren identischen Outfits. An ihrem Lieblingsfilm gibt es keinen Zweifel: Schulranzen, Schultüten und sogar die Mund-Nasen-Bedeckungen stehen ganz im Zeichen von Anna und Elsa, den beiden Schwestern aus dem Disney-Film „Frozen“. Papa Khaled Aldhaywi sagt, die nagelneuen Ranzen hätten schon beim Einschlafen am Abend zuvor neben seinen Töchtern stehen müssen. „Ich musste versprechen, dass ich mir den Tag freinehme, um heute dabei zu sein.“

Der erste Schultag ist ganz kurz: Nur 20 Minuten lang sind Faten und Jana heute mit ihren neuen Mitschülern in ihren Klassenzimmern. Danach dürfen die beiden endlich ihre Schultüten auspacken: Füller, Stifte, Spitzer, aber auch Süßigkeiten, Seifenblasen und Schmuck hat Mutter Hanan el Ali eingepackt.

Schulleiterin Busse ist gut gelaunt, aber etwas angestrengter als vergangene Woche. Etwa ein Dutzend ihrer Schülerinnen und Schüler ist in den ersten Tagen noch zu Hause geblieben. Einige wurden am ersten Schultag von Erziehern zurückbegleitet – sie waren noch zu kurz vorher im Risikogebiet. Im Haus sind wegen einer Sanierung nicht alle Waschbecken zugänglich: Damit das Händewaschen trotzdem klappt, wird der Hausmeister jetzt im Außenbereich zusätzliche Wasserhähne installieren. Die Maskenpflicht auf Fluren und im Treppenhaus sei eigentlich kein Thema, sagt Busse: „Die Kinder sehen das ganz pragmatisch.“ „Auf den Treppen schwitzt man so“, bemängelt allerdings Fünftklässler Arda, der mit einem Freund auf dem Pausenhof steht. Dass er nun die meiste Zeit mit seiner Lerngruppe verbringt, anstatt sich wie in früheren Jahren mittags mit allen anderen zu vermischen, störe ihn aber nicht, sagt er. Das neue Corona-Schuljahr: Es ist jetzt eben so.

Einschulung an der Grundschule in der Köllnischen Heide: Assiatou Diallo (6) will später mal Ärztin werden.
Foto: Volkmar Otto