Berlin - Kaya, 12, besucht die 7. Klasse der internationalen Nelson-Mandela-Schule in Wilmersdorf. Ein Bild von Mandela ist groß auf die Fassade des Schulgebäudes gemalt, drinnen hängen viele kleine Porträts von ihm, auch im Schulsong „Side by Side“, den ein Musiklehrer der Schule geschrieben hat, geht es um Nelson Mandela. Kaya erzählt, wie sie den Morgen nach seinem Tod erlebte:

Mein Vater kam gestern morgen in die Küche und sagte zu uns: Nelson Mandela ist tot. Ich konnte das nicht fassen. Natürlich wussten wir alle, dass er alt und krank war, aber dass er stirbt, hätte ich irgendwie nicht gedacht. Ich stand einfach ein paar Sekunden lang da und starrte meinen Vater an. Ich habe die Nachricht dann meiner besten Freundin getextet, noch bevor ich zum Nikolausstiefel gucken gegangen bin.

Als ich in die Schule kam, hingen schon überall Zettel, auf denen gedruckt stand: ,18. Juli 1918 - 5. Dezember 2013. Nelson Mandela. Wir werden dich vermissen.‘ Ich weiß nicht, wer sie aufgehängt hat, aber sie hingen wirklich überall.

Unsere Schule ist ja nach ihm benannt und als er starb, ist auch ein kleiner Teil unserer Schule gestorben. Er war halt ein richtiger Held. Er hat so viel getan, um die Welt besser zu machen. Und der erste schwarze Präsident von Südafrika war er natürlich auch. Aber er ist nicht wirklich tot. Er lebt in unseren Herzen weiter.

Die ganze Schule hat sich dann spontan versammelt. Das machen wir sonst nur einmal im Monat. Erst wurde die südafrikanische Nationalhymne gespielt, danach haben eine Klassenkameradin und ich das Gedicht „Invictus“ von William Ernest Henley vorgelesen. Die letzte Strophe kann ich auswendig, sie geht übersetzt so: ,Was kümmert's, dass der Himmel fern und dass von Strafe mein Buch erzählt. Ich bin der Herr meines Schicksals. Ich bin der Kapitän meiner Seele.‘ Das Gedicht stand an der Wand der Gefängniszelle, in der Mandela eingesperrt war. Er hat es jeden Tag mehrmals gelesen. Leute, die mit ihm dort waren, haben gesagt, dass es ihm die Kraft zum Durchhalten gab.

Dann hat unser Direktor geredet, wir haben eine Schweigeminute gemacht, und danach haben wir bunte Zettel an alle Schüler verteilt und gesagt, dass jeder etwas schreiben soll: Wenn ihr Nelson Mandela noch einmal treffen würdet, was würdet ihr ihm sagen? Die Idee dazu hatte unsere Kunstlehrerin. Danach haben wir im Foyer Wäscheleinen gespannt und die Zettel aufgehängt.

Jetzt hängen dort dreihundert Zettel, wegen des Sturms waren nicht alle Schüler da. Darauf stehen Sachen wie ,Danke für alles.‘ Einen Spruch finde ich besonders schön. Da steht auf englisch ,Wir werden nicht mit Hass geboren. Hassen musst du lernen. Und wenn du lernen kannst zu hassen, kannst du auch lernen zu lieben.‘ (BLZ)