Potsdam - Immer mehr Neonazis trainieren nach Erkenntnissen der Verfassungsschutzämter gezielt für den Straßenkampf mit ihren Gegnern vor allem aus dem linken Spektrum.

Frank Nürnberger, Leiter des Landesamtes für Verfassungsschutz in Brandenburg, sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe: „Wir kennen die Kampfsportwettkämpfe seit vielen Jahren, doch wir registrieren als Verfassungsschutz eine zunehmende Bereitschaft in der rechtsextremistischen Szene, gezielt für gewalttätige Auseinandersetzungen etwa mit dem politischen Gegner zu trainieren.“

Seit Jahren ist bekannt, dass sich vor allem in Ostdeutschland rechte Kampfsportgruppen etabliert haben. Zu Veranstaltungen wie dem jährlich konspirativ organisierten, rechtsextremistischen Kampfsportturnier „Kampf der Nibelungen“ oder dem „Tiwaz Festival“ kamen Hunderte Teilnehmer. Dort gebe es auch politische Reden und Konzerte.

Der Tag X ist für Neonazis der Tag, an dem die öffentliche Ordnung zusammenbricht

Im bislang letzten Brandenburger Verfassungsschutzbericht heißt es, dass Kämpfer des rechtsextremistischen Kampfsportverein Northsidecrew aus Lübben (Dahme-Spreewald) regelmäßig als Team für rechtsextremistischen Bekleidungslabel beim „Kampf der Nibelungen“ antreten.

Der Rechtsextremismus-Experte im sächsischen Landesamt, Henry Krentz, sagte den Funke-Zeitungen, einzelne Gruppen bereiteten sich sogar auf einen Tag X vor, an dem sie den Zusammenbruch der staatlichen Ordnung erwarteten und die Macht ergreifen wollten. Seine Behörde beobachte „einen Trend hin zu einer konkreten Vorbereitung auf einen Straßenkampf“. Krentz sprach von einer „zunehmenden Militanzbereitschaft“ von Neonazi-Kampfsportlern. „Wir beobachten das sehr genau und warnen davor, das gezielte Training für Gewaltaktionen zu unterschätzen.“

Auch Rechtsextremismus-Forscher Robert Claus sieht Kampfsport, ebenso wie Rechtsrock und Hooliganismus, als ein tragendes Element einer „erlebnisorientierten“ rechten Szene. Die Veranstaltungen dienten der Vernetzung, Finanzierung und Rekrutierung. (dpa, BLZ)