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Die Einstellung des Verfahrens bestätigte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Martin Steltner am Freitag auf Anfrage. „Die Schussabgabe war durch Notwehr gerechtfertigt“, sagte Martin Steltner. Die Begründung für die Entscheidung wird in den nächsten Tagen erwartet.

Die Polizei äußerte sich am Freitag dazu nicht und verwies auf die Anklagebehörde. Der Todesschuss, der von einem Streifenpolizisten abgegeben wurde, hatte eine Debatte über die Rechtmäßigkeit und Verhältnismäßigkeit von Polizeieinsätzen sowie über die Ausrüstung der Polizisten ausgelöst.

Wie berichtet hatte sich der 31 Jahre alte Manuel F. aus Weißensee am 28. Juni dieses Jahres in dem Brunnen unweit des Amtssitzes des Regierenden Bürgermeisters, die Arme mit einem Küchenmesser aufgeschnitten und sich auch am Hals verletzt.

Der Mann schwebte in Lebensgefahr, als ein Polizist zu ihm in den Brunnen stieg und ihn aufforderte, das Messer fallen zu lassen. Als Manuel F. mit dem Messer fuchtelnd auf den Streifenbeamten losging, zog dieser seine Pistole und schoss auf den verwirrt wirkenden Mann aus Weißensee, der zuvor Drogen zu sich genommen hatte.

Das Projektil durchschlug die Lunge. Manuel F. verblutete. Die Frage, ob der Mann nicht anders hätte überwältigt werden können, ist noch nicht beantwortet.

Unterschiedliche Auffassungen gab es auch am Freitag in Polizeidirektionen und im Präsidium der Behörde noch darüber, ob der Polizist in den Brunnen steigen musste und weshalb er nicht in die Arme oder in die Beine schoss.

Zudem ist noch nicht klar, weshalb das Spezialeinsatzkommando (SEK) nicht gerufen wurde. Die Männer sind mit sogenannte Taser ausgerüstet, die den Täter lähmen aber nicht töten.

Nach der Tat hatte Innensenator Frank Henkel (CDU) erneut für den Einsatz von Tasern plädiert, weil diese Waffen vergleichsweise ein mildes Mittel seien. Die Diskussionen, ob auch Streifenbesatzungen künftig mit diesen Waffen ausgerüstet werden sind intern noch in vollem Gange.

Es kommt immer wieder vor, dass Polizisten im Dienst schießen. In Berlin ist die Zahl der Fälle jedoch gering. Im vergangenen Jahr wurden von Polizeibeamten 91 Schüsse abgegeben, davon drei auf Menschen und 61 auf kranke oder beißwütige Tiere.