Berlin - Dass Babysitting eine kostspielige Angelegenheit ist, weiß Ulrike Gerber seit ihrem Studium aus eigener Erfahrung. Zehn Euro wurden seinerzeit pro Stunde für die Betreuung eines Kindes verlangt. Für die Studentin und zweifache Mutter war das nicht zu machen.

Besser geworden ist es seitdem nicht. In Berlin liegen die Stundenpreise mittlerweile oft sogar doppelt so hoch. Gerbers Erfahrung ist andererseits aber auch ein Glücksfall für Mütter in ähnlicher Situation. Denn zusammen mit ihren Schwestern Anna-Lena und Henrike entwickelte sie eine App, mit der sich junge Eltern vernetzen und im Bedarfsfall gegenseitig unterstützen können. Kostenfrei, einfach so. Eine Art Nachbarschaftshilfe des Babysittings.

Wird bereits von 3500 Eltern genutzt

„Wir wollten Kinderbetreuung unabhängig von der finanziellen Situation der Eltern möglich machen“, sagt Henrike Gerber und formuliert damit den Gründungsimpuls für ihr gemeinsames Unternehmen Siteinander. Von der Idee bis heute sind zwei Jahre vergangen. In der Zwischenzeit haben die Gerber-Schwestern den zweiten Platz im Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg belegt, die erste Testversion ihrer App herausgebracht und vor zwei Monaten ihre Firma ins Berliner Handelsregister eintragen lassen. Inzwischen wird die Siteinander-App bundesweit von etwa 3500 Eltern genutzt. Es funktioniert, sagt die 28-jährige studierte Betriebswirtin. 

Das Prinzip ist simpel. Wer auf ein anderes Kind aufpasst, bekommt dafür einen Punkt je Stunde, den man wieder hergibt, wenn man selbst einen Babysitter in Anspruch nimmt. So soll die Gegenseitigkeit gefördert werden, sagt Henrike Gerber. „Ich sitte für dich und du sittest für mich.“ Vor allem müsse man nicht darüber nachdenken, ob man sich einen Babysitter leisten kann. Und sich auch nicht mit schlechtem Gewissen plagen, weil der Verwandte zum x-ten Mal um Hilfe gebeten werden muss. Zudem geht es um kurzzeitige Betreuung. Um ein, zwei Stunden, für die kaum eine Babysitter-Agentur antritt. Wenn jemand schnell etwas erledigen, selbst zum Arzt muss oder einfach mal zwei Stunden für sich haben will. „Das ist so oft nötig, aber die wenigsten nehmen sich dafür einen teuren Babysitter“, sagt die Co-Chefin. Siteinander will dies erleichtern. 

Ab Juni auch als iPhone-Version

Am Anfang steht jedoch das Kennenlernen. Über die App können sich junge Eltern in der Nachbarschaft finden und Kontakt aufbauen, kleine Gruppen können entstehen, in denen man sich dann auch untereinander hilft. Die Siteinander-Mitglieder entscheiden selbst, wen sie in ihr Netzwerk aufnehmen, wem sie eine Anfrage schicken und schließlich ihr Baby zur Betreuung überlassen.

Bis Juni soll die aktuelle App komplett überarbeitet werden und dann nicht mehr nur für Android-Geräte, sondern auch für iPhones verfügbar sein. Im Laufe des Jahres wollen die drei Schwestern, die sich noch bis Dezember mit einem Gründerstipendium über Wasser halten, ein tragfähiges Geschäftsmodell entwickeln. Es gebe mehrere Optionen mit Werbung oder einem kostenpflichtigen Premium-Angebot in der App. Dass sich die Firma selbst tragen kann, steht für die Schwestern außer Zweifel.