Berlin - Noch stehen die Baugerüste vor der Fassade, aber die Arbeiten am Wohn- und Geschäftshaus „Alea 101“ kommen voran. Im Sommer soll das würfelförmige Haus neben dem Bahnhof Alexanderplatz fertig sein, sagte Projektleiter Matthias Etzel am Donnerstag bei einer Führung durch das Gebäude. Der zwischenzeitliche Stillstand der Arbeiten nach der Insolvenz der Baufirma sei wieder aufgeholt worden.

Neben Modegeschäften, einem Restaurant, einem Eiscafé und einem Kaffee-Laden, die in den unteren Geschossen entstehen, werden im dritten und vierten Obergeschoss 14 Wohnungen gebaut, die sich um einen grünen Hof gruppieren. Einige der Wohnungen, die nach Westen gerichtet sind, bieten durch raumhohe Fenster einen Blick auf das Rote Rathaus und den Berliner Dom. In Richtung Bahnhof Alexanderplatz und Cubix-Kino entstehen Büros.

Das neue Gebäude wird an der Stelle errichtet, an der 1911 das erste Kaufhaus der Familie Brenninkmeijer (C&A) in Deutschland eröffnete. Daran erinnert die 101 im Namen. Denn 101 Jahre nach der Eröffnung des ersten Hauses wurde mit dem Bau des Nachfolgegebäudes begonnen. Der Name Alea beschreibt die Form des Neubaues: Alea heißt auf Latein Würfel.

In der Nachkriegszeit war das historische C&A-Gebäude zunächst von der staatlichen Handelsorganisation der DDR genutzt worden. 1974 wurde es abgerissen. Die Planer bezogen das Gelände in die Gestaltung der Freifläche am Fuß des Fernsehturms ein. Nach der Wiedervereinigung erhielten die alten Eigentümer ihr früheres Grundstück zurück. Die C&A-Schwester Redevco errichtet nun den Neubau. C&A zieht jedoch nicht in den Würfel ein, das Modekaufhaus bleibt weiter im Berolinahaus neben dem Bahnhof Alexanderplatz – rund 100 Meter Luftlinie vom neuen Würfelbau entfernt. Dort habe C&A eine „schöne Location“, heißt es. Anzunehmen ist, dass die Flächen im Neubau zu sehr viel höheren Preisen vermietet werden können, als C&A im Berolinahaus zahlen muss.

Der rund 30 Meter hohe Würfelbau entsteht nach Plänen des Architekturbüros Sauerbruch Hutton. Sie haben ein Gebäude entworfen, dessen oberste Geschosse wie verdreht auf den unteren Geschossen sitzen – ähnlich wie es US-Architekt Frank Gehry für den ersten 150 Meter hohen Wolkenkratzer am Alexanderplatz plant. Die Fassade im unteren Bereich ist aus eingefärbtem Glas mit changierenden Effekten.

Vom Untergeschoss bis zum zweiten Obergeschoss bietet der Neubau rund 10.000 Quadratmeter Fläche für Einzelhandel und Gastronomie. Das entspricht in etwa einem Viertel der Flächen der Potsdamer Platz Arkaden. In den obersten beiden Etagen entfallen jeweils rund 1 600 Quadratmeter Fläche auf die Wohnungen und die Büros. Die Wohnungen verfügen über eingebaute Küche, Fußbodenheizung, Parkettfußboden und Badezimmer mit bodengleicher Dusche und Badewanne. Jede Wohnung hat mindestens eine rund zehn Quadratmeter große Loggia, die großen Wohnungen sogar zwei. Zu den Mietpreisen wollte Redevco am Donnerstag keine Angaben machen, im Internet kursieren aber Exposés, in denen die Wohnungen für eine Kaltmiete von rund 15 Euro je Quadratmeter angeboten werden.

Hinzu kommen Nebenkosten in Höhe von etwa drei Euro je Quadratmeter sowie 166 Euro für einen Tiefgaragenplatz. So kostet die kleinste Wohnung, die laut Exposé 67,45 Quadratmeter misst, inklusive Nebenkosten und Tiefgaragenplatz 1411,60 Euro monatlich. Die größte Wohnung, laut Exposé 190,02 Quadratmeter, schlägt mit 3 586,60 Euro zu Buche. Hinzu kommt eine Mietkaution in Höhe von drei Monats-Kaltmieten sowie ein sogenanntes Abwicklungshonorar, offenbar eine Art Maklercourtage. Dieses Honorar bewegt sich laut Exposé zwischen 1250 Euro für die kleinste Wohnung und 3400 Euro für die größte. Wer die 190 Quadratmeter große Wohnung anmieten möchte, muss allein für Kaution und Abwicklungshonorar 11.950 Euro berappen.