Wenn die Ergebnisse von Architekturwettbewerben verkündet werden, loben sich im Allgemeinen Auslober und Juroren gegenseitig und zeigen enthusiastisch auf die grandiosen Projekte, die sie aus den eingereichten Entwürfen herausgefiltert haben. Nicht so bei der Vorstellung der zehn Entwürfe, die die Jury in zweieinhalb Tagen aus 463 Einsendungen zum „Museum der Moderne“ auf dem Kulturforum ausgewählt hatte.

In den Ausstellungshallen am Kulturforum war nicht einmal Begeisterung für einen der Entwürfe, geschweige denn Enthusiasmus für das Gesamtergebnis zu spüren. Kulturstaatsministerin Monika Grütters stellte gerade einmal fest, dass durch den Ideenwettbewerb einige Fragen für den kommenden Realisierungswettbewerb schärfer heraus gearbeitet worden seien.

Viel wichtiger war ihr und dem Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, zu konstatieren, dass mit dem Wettbewerb die Ortswahl für das Museum der Moderne bestätigt worden sei. Diese Selbstbestätigung der Auslober, dass sie alles richtig gemacht hätten, war auch notwendig. Wurde doch gerade die Wahl des Ortes, also der Grundstücke an der Potsdamer Straße, von Stadtplanern und Museumsfachleuten außerhalb der von diesem Neubau profitierenden Nationalgalerie der Staatlichen Museen heftig kritisiert.

Selbstbestätigung

Sie bevorzugten, wie lange auch die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, ein Grundstück an der Sigismundstraße. Das liegt zwar weniger repräsentativ, kann aber dafür die bestehenden Museumsbauten besser verbinden. Auch wären hier viele der Nebenfunktionen, die jetzt den Neubau an der Potsdamer Straße so gewaltig werden lassen, nicht notwendig gewesen: Die Nachbarmuseen hätten mit genutzt werden können. Doch die Sammler, von denen die Nationalgalerie viele kostbare Spenden erhofft, und in deren Folge die Kulturstaatsministerin, die Bundestagsabgeordneten und auch Stiftungspräsident Parzinger, votierten für das Grundstück Potsdamer Straße.

Wie groß die städtebaulichen und museumsfunktionalen Probleme sind, die damit entstehen, zeigen schon die zehn ausgewählten Arbeiten. Keine schlägt einen auch nur halbwegs akzeptablen Anschluss an die Piazetta vor dem Hauptzugang zu den Museen oder eine organische Verbindung hin zur Neuen Staatsbibliothek vor.

Die Philharmonie wird meist behandelt, als wenn sie sich auf einem anderen Stern befände. Manchmal, wie im winkelförmigen Entwurf Nr. 1144, wird sie sogar regelrecht ausgeschlossen vom Kulturforum. Der Anschluss an die vorhandenen Museumsbauten ist nur dann zu erreichen, das zeigen alle Entwürfe, wenn irgendwann einmal die Leitungen unter der Sigismundstraße verlegt werden – was aber bisher nur debattiert und keineswegs sicher ist. Die Wahl des Grundstücks an der Potsdamer Straße war und wird also auch weiterhin umstritten bleiben.

Doch auch neuere Ideen davon, was ein Museum für moderne Kunst heute sein kann, sind kaum zu finden. Nichts vom Bildungsenthusiasmus, der etwa Neubauten in Amerika prägt. Gerade einmal der Gedanke, dass ein Museum auch Studienzentrum sein kann – seit dem von Herzog & DeMeuron entworfenen „Schaudepot“ bei Basel ein populäres Modell – zeigen die gleichförmig aneinander gereihten Hallen im Entwurf Nr. 1115. Sonst prägen sehr oft bei Ludwig Mies van der Rohes neuer Nationalgalerie abgeschaute Hallengrundrisse mit eingestellten, rechtwinkligen Wänden die Pläne, also der übliche „White Cube“.

Nur langgestreckte Kisten

Durchweg müssen fast alle Entwürfe in die Erde gehen, um die geforderten 14?000 Quadratmeter Nutzfläche unterzubringen. Oft bis zu zwölf Metern tief. Nur ein Entwurf allerdings, Nr. 1361, wagt den radikalen Schritt ganz unter die Erde. Sonst sind immer noch langgestreckte Riegel zu sehen, mit Glashülle wie in Nr. 1358 oder kantig wie in Nr. 1151 mit Innenhof zur Potsdamer Straße hin. Ist das die richtige Seite für meditative Versenkung? Andere versuchen, die Raumnot durch Türme auszugleichen, verbunden mit ausgedehnten Flachbauten wie in den Entwürfen Nr. 1300 und Nr. 1155 oder kleineren Pavillons wie in Entwurf Nr. 1131 – was hier immerhin zu einer lockeren Komposition führt.

Aber nur in dem Entwurf Nr. 1281 ist wirklich eine Idee zu finden, die weiter führt als zu einer konventionellen „Museumskiste“. Hier sieht man Pavillons und Hofgärten, vertiefte Terrassen und eine offene Anmutung. Das passt auch ästhetisch gut zu den Museumsutopien der 1960er-Jahre, die einstmals die Idee vom Kulturforum prägten. Aber die Jury hat mit ihrer Auswahl ansonsten klar gemacht, was Berlin sich von der zweiten Runde des Wettbewerbs erwartet: Strenge Kisten, wie sie die Berliner Kulturarchitektur seit 20 Jahren prägen.

Senatsbaudirektorin Regula Lüschers Credo, alles müsse sich der Philharmonie und der Neuen Nationalgalerie unterordnen, hat sich die Jury offenbar zu Eigen gemacht – selbst die Türme gehen mit 27 Metern kaum über die Traufkante des Potsdamer Platzes. Kein Wunder also, dass hier der Mut zum Neuen gänzlich fehlt, keinerlei Optimismus zu spüren ist, vom Glauben an die Utopie, die doch mit der Moderne und der Idee des Museums so eng verbunden ist, ganz zu schweigen. Wir müssen also alle Hoffnung auf die zweite Runde des Wettbewerbs setzen.