Berlin - Die ersten Häuser wachsen schon aus dem Boden, Kräne drehen sich – die Bauarbeiten im Stadtquartier „Wohnen am Campus“ in der Wissenschaftsstadt Adlershof kommen sichtbar voran. „Im nächsten Jahr werden die ersten Wohnungen bezogen“, sagte Ute Hübener, Vertriebsleiterin der Adlershof Projekt GmbH, am Mittwoch bei einem Ortstermin.

Auf einem 14 Hektar großen Areal nördlich der Rudower Chaussee sollen zwischen Groß-Berliner Damm und Karl-Ziegler-Straße insgesamt rund 1 200 Wohnungen und Eigenheime errichtet werden. Das Projekt ist damit eines der größten Neubaugebiete in Berlin.

Anspruchsvolle Preise

Neben Genossenschaften, der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Degewo, einer Baugruppe und privaten Investoren will hier die Studentendorf Adlershof GmbH neue Unterkünfte errichten. Am 30. August soll der symbolische erste Spatenstich für die 380 geplanten Studentenapartments gefeiert werden, sagte Hübener. Der Baukonzern NCC ist schon einen Schritt weiter. Er hat mit seinem Projekt „Gravity“ – der Name erinnert an das Gravitationsgesetz des Physikers Isaac Newton – bereits begonnen. Die weißen Steinmauern zweier Townhouses ragen auf der weiten Fläche in die Höhe. Rund 90 Wohnungen und Townhouses will NCC in Adlershof bauen.

Die Preise sind durchaus anspruchsvoll: Ein Townhouse mit 192 Quadratmetern Wohnfläche kostet beispielsweise 410.000 Euro. Dafür kriegt der Käufer ein schlüsselfertiges Haus mit zwei Terrassen und kleinem Garten. Im nächsten Jahr will NCC die ersten Häuser fertigstellen. Ebenfalls im nächsten Jahr sollen die ersten Bewohner in die 24 Eigentumswohnungen der First Home Wohnbau GmbH einziehen. Bislang seien schon 18 Wohnungen vermarktet, sagte Ute Hübener. Mit der Fertigstellung der Wohnungen, die die Degewo plant, werde es dagegen länger dauern. Der Grund dafür sei, dass die landeseigenen Gesellschaften ihre Aufträge europaweit ausschreiben müssen. Das kostet Zeit.

Hoher Bedarf an Wohnraum

Der Durchgangsverkehr soll aus dem neuen Stadtviertel möglichst herausgehalten werden. Es sind verkehrsberuhigte Straßen geplant, Tempo 30 wird die höchste Geschwindigkeit sein, die in dem Viertel gefahren werden darf, so Hübener. Auch der öffentliche Nahverkehr soll verbessert werden. Die Straßenbahn, die bisher schon über die Rudower Chaussee verkehrt, soll künftig über den Groß-Berliner Damm bis nach Schöneweide geführt werden. Einen genauen Termin dafür gibt es aber noch nicht.

In der Wissenschaftsstadt im Südosten Berlins sind in den vergangenen Jahren rund 15.000 Arbeitsplätze in Forschungs- und Entwicklungsinstituten entstanden. Ute Hübener sagte, bis zum Jahr 2025 werde sich die Zahl der Beschäftigten voraussichtlich verdoppeln. Der Bedarf an Wohnungen sei vorhanden. Wenn mehr Menschen in der Wissenschaftsstadt wohnten, werde dort auch abends mehr los sein. Bis wann alle Wohnungen in dem neuen Stadtquartier fertig sein werden, konnte Hübener nicht sagen. Derzeit sind aber noch nicht alle Bauflächen verkauft.

Skepsis über Neubau-Förderung

Der Baukonzern NCC übte am Mittwoch Kritik an den Plänen für eine Wohnungsbauförderung, mit der der Senat preiswerte Neubauwohnungen schaffen will. „Eine Förderung würde den Markt verzerren“, sagte NCC-Regionsleiter Helmut Kunze. „Wir denken, unsere Projekte, die wir mit Mieten zwischen 8 und 9 Euro für Investoren errichten, belegen, dass die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum auch ohne Förderung funktionieren kann.“ Mit den Preisen bewegt sich NCC zwar im unteren Bereich bei Neubauprojekten, jedoch liegt das Niveau deutlich über der durchschnittlichen ortsüblichen Miete von 5,54 Euro je Quadratmeter (kalt) in Berlin. Mit der im Senat diskutierten Förderung sollen Mieten unter sechs Euro je Quadratmeter möglich gemacht werden. NCC-Chef Helmut Kunze sagte, wichtig sei für ihn, „dass Bauanträge durch die Behörden schneller und professioneller bearbeitet werden“.