Berlin - Im Parlaments- und Regierungsviertel soll jetzt auch die Zukunft einen festen Platz bekommen. Nach Plänen des Berliner Architekten Jan Musikowski soll am nördlichen Spreeufer das „Haus der Zukunft“ entstehen – direkt neben dem bereits in Bau befindlichen Ministerium für Bildung und Forschung auf dem früheren Areal des Bundespressestrandes.

Was unter dem Haus der Zukunft zu verstehen ist, erklärt Staatssekretärin Cornelia Quennet-Thielen aus dem Ministerium für Bildung und Forschung so: „Im Haus der Zukunft werden Forschergeist und Innovation erlebbar gemacht. Die Besucher können sich über aktuelle und zukünftige Entwicklungen aus Wissenschaft und Forschung informieren und mit ihren Beiträgen die Zukunft aktiv mitgestalten.“

Ausstellung und Café

Gebaut werden soll das Haus der Zukunft nach dem preisgekrönten Entwurf von Jan Musikowski. Er hat sich in einem Wettbewerb für den Neubau gegen 162 Konkurrenten durchgesetzt. Die Entwürfe sind seit Freitag in den Räumen des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung im Ernst-Reuter-Haus zu sehen. Musikowskis Plan sieht den Bau eines Hauses mit 3500 Quadratmetern Ausstellungsfläche sowie die Einrichtung eines Cafés vor. Durch überdimensionale Fenster blicken die Besucher an der Vorderseite auf das Regierungsviertel und auf der Rückseite zur S-Bahntrasse.

Der Baubeginn ist für Herbst 2014 vorgesehen, im Jahr 2016 soll das Haus fertig sein. Die Baukosten werden vom Ministerium bisher auf rund 46 Millionen Euro beziffert. Hinzu kommen Ausgaben für die Erstausstattung, Kosten für das Grundstück, die Erschließung und die Architektenhonorare. Wenn möglich, soll der Neubau in öffentlich-privater Partnerschaft realisiert werden.

Senatsbaudirektorin Regula Lüscher lobt das Projekt. Es sei für eine Aufwertung des Ortes „sehr geeignet“, sagt sie. Die großen Fenster eröffneten nicht nur einen guten Ausblick, sondern von der S-Bahn-Trasse auch einen interessanten Einblick in das Gebäude.

Grüne über Finanzierungsmodell skeptisch

Kritik gibt es indes von der Opposition im Bundestag. „Das Haus der Zukunft kann eine Attraktion werden“, sagt der SPD-Abgeordnete Klaus Hagemann. „Aus Sicht der Steuerzahler ist es aber ausgesprochen ärgerlich, dass Ministerin Schavan Standortalternativen in Berlin und eine mögliche Vernetzung mit bestehenden Einrichtungen nie in Erwägung gezogen und geprüft hat.“ Damit entstehe nun „Deutschlands erstes Ministerium mit angeschlossenem, megateurem Museumsbau.“

In einem Gespräch zum Bildungs- und Forschungshaushalt 2013 habe die Ministerin am Freitag zwar „Kosten von 168 Millionen Euro für die leere Gebäudehülle präsentiert“, aber weder ein inhaltliches Konzept noch eine finanzielle Beteiligung der Wirtschaft und der Forschungsorganisationen an den laufenden Kosten vorweisen können. Die Grünen-Abgeordnete Bettina Herlitzius äußerte sich ähnlich. Die größte Sorge bereite ihr das geplante Finanzierungsmodell. Bei Projekten in öffentlich-privater Partnerschaft bleibe die Transparenz auf der Strecke und die finanziellen Belastungen seien „nicht überschaubar“.