Neubau in Berlin: Bauministerium bereitet sich offenbar auf Komplettumzug vor

Berlin - Nachdem bereits das Ressort für Bildung und Forschung am Kapelle-Ufer in Mitte einen Neubau erhalten hat, der genügend Platz bietet, um auch die derzeit noch in Bonn sitzenden Kollegen unterzubringen, will nun das Bundesbauministerium seinen Berliner Standort ebenfalls erweitern. Und auch das Innenministerium prüft Pläne für einen weiteren Neubau.

Das neue Domizil des Bauministeriums soll auf einem noch unbebauten Grundstück zwischen Stresemannstraße, Niederkirchnerstraße und Erna-Berger-Straße in Mitte entstehen – direkt hinter dem jetzigen Berliner Hauptdienstsitz von Ministerin Barbara Hendricks (SPD) an der Stresemannstraße 128-130. Das sagte ein Sprecher des Bauministeriums zur Berliner Zeitung.

Geschossfläche bis zu 50.000 Quadratmetern

Grund für den geplanten Erweiterungsbau sei, dass das Ministerium „die Belegschaft seiner drei Berliner Dienstsitze“ an der Stresemannstraße zusammenführen wolle. Der Raumbedarf basiere auf der jetzigen Stellenzahl von 704 Beschäftigten in Berlin, so der Sprecher.

Der geplante Neubau soll eine Geschossfläche bis zu rund 50.000 Quadratmetern bekommen.  Für die Unterbringung der Berliner Beschäftigten ist laut Ministerium aber nur die Hälfte der Fläche nötig.  Das Haus wäre also groß genug, um auch die noch 667 Beschäftigten aufzunehmen, die derzeit noch in Bonn arbeiten.

Derzeit Dienstsitze in Berlin und Bonn

Zurzeit sind alle Ministerien sowohl in Berlin als auch in Bonn mit jeweils einem Dienstsitz vertreten. Grund für die Aufteilung ist das Berlin-Bonn-Gesetz von 1994, das die Arbeitsteilung festschrieb. Zwar haben die Ministerien im Laufe der Jahre immer mehr Personal an die Spree geholt, doch waren im vergangenen Jahr von den 17.972 Stellen in der Regierung noch 6521  in Bonn, 11.451 in Berlin. Immerhin: Die „Rutschbahn“ der Beamten geht in Richtung Berlin.

Seit Jahren flammt immer wieder die Debatte über einen Komplettumzug nach Berlin auf, doch hat sich der Bundestag bisher nicht zu einer solchen Entscheidung durchringen können. Mit Rücksicht auf die Stadt Bonn. Die Zurückhaltung könnte sich freilich ändern, wenn Bundesbauministerin Barbara Hendricks den „Sachstandsbericht“ über die Aufteilung der Regierung präsentiert, der zurzeit in ihrem Haus erarbeitet wird. Der Bericht ist noch für dieses Jahr angekündigt.

Vermietung bis zum Komplettumzug

Bei den anstehenden Neubauten für die Ministerien stellen sich die Verantwortlichen derweil auf den möglichen Umzug der Bonner ein. So lange der Bundestag den Komplettumzug noch nicht beschlossen hat, sollen die Büroflächen jedoch anderweitig vermietet werden. So wurde bereits beim Neubau des Ministeriums für Bildung und Forschung verfahren – und so ist es jetzt auch beim Erweiterungsbau für das Bauministerium vorgesehen. Selbstverständlich will niemand aus den Ministerien einen Komplettumzug vorwegnehmen.

Entsprechend zurückhaltend erklärt der Sprecher des Bauministeriums zum geplanten Erweiterungsbau: „Diese Flächen könnten gegebenenfalls später auch für einen optionalen Mehrbedarf des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau- und Reaktorsicherheit genutzt werden.“ Der optionale Mehrbedarf – das wäre der Umzug der Bonner.

Das Innenministerium, das erst im vergangenen Jahr einen Neubau in Berlin bezogen hat, prüft unterdessen schon die Erweiterung. Denn in den Neubau, der eigentlich für Berliner und Bonner gedacht war, passten nicht mal alle Berliner. Nun wird großzügiger geplant – für weitere bis zu 350 Arbeitsplätze.