Berlin - Vor wenigen Wochen lagen sie noch im Clinch über den Stadtentwicklungsplan Wohnen und die Frage, ob genug für den Wohnungsneubau getan wird. Am Donnerstag gingen der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Stadt-entwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) auf Tour, um sich ein Bild vom Stand des Neubaus der landeseigenen Wohnungsunternehmen zu machen.

Hakenfelde in Spandau ist die erste Station. Rund um Mertens- und Goltzstraße im Nordwesten der Stadt sind innerhalb von zweieinhalb Jahren 1024 Mietwohnungen für die landeseigene Degewo und die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) entstanden: die Pepitahöfe. Wie groß die Wohnungen hier sind, fragt der Regierende Bürgermeister. Bevor ein anderer antworten kann, zählt die Stadtentwicklungssenatorin auf, wie viele Wohnungen in welcher Größe entstanden sind.

Die fünf- bis sechsgeschossigen Gebäude mit ihren hellen Fassaden gruppieren sich um grüne Höfe. Gebaut wurden die Wohnungen von der privaten Kilian Immobiliengruppe und der MHMI Immobilien Verwaltung – termingerecht und im veranschlagten Budget.

Einer der Wohnblöcke sei sogar früher fertig geworden, sagt Jürgen Kilian, Chef der Kilian Immobiliengruppe. Fast alle Unterkünfte sind bereits belegt.

30.000 Wohnungen bis 2021? Michael Müller spricht von ambitionierten Ziel

Nur acht Wohnungen sind noch zu haben. Dass die Nachfrage so groß ist, liegt auch an den niedrigen Mietpreisen. Die günstigsten Wohnungen kosten 6 Euro pro Quadratmeter. Die Durchschnittsmiete liegt bei 8,96 Euro je Quadratmeter Wohnfläche kalt.

Nächste Station ist das Projekt Waterkant in Spandau. Auf dem Areal der Wasserstadt Oberhavel errichtet die Wohnungsbaugesellschaft Gewobag am östlichen Ufer der Havel bis zum Jahr 2025 insgesamt 2000 Wohnungen, weitere 500 werden von der Wohnungsbaugesellschaft Mitte beigesteuert. Die Gewobag hat mit dem Bau von 362 Wohnungen begonnen.

Sie sollen im Oktober nächsten Jahres fertig sein. Die Mieten beginnen bei 6 Euro je Quadratmeter. Im Schnitt werden die neuen Wohnungen für 9,25 Euro je Quadratmeter vermietet. Wer Glück hat, bekommt dafür eine Wohnung mit traumhaftem Blick auf die Havel. Die „allergrößte Herausforderung“ hier sei die Verkehrsanbindung, sagt Gewobag-Chefin Snezana Michaelis. Bisher fährt hier nur der Bus direkt ins Viertel, die nächste U-Bahnstation ist ein Kilometer entfernt.

Die Verkehrserschließung ist das Problem vieler Neubauviertel, die am Rande der Stadt entstehen. Das ist auch der Politik klar. „Es muss was passieren“, sagt die Stadtentwicklungssenatorin. Es sei wichtig sich vor Ort zu informieren, wie die Zusammenarbeit der Beteiligten funktioniere, sagt Müller. Nötig sei, dass alle Partner mitspielen: Nicht nur die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, sondern genauso die Ressorts für Umwelt und Verkehr sowie die Denkmalschutzbehörde.

Möglicherweise müssten Projekte aus der Clearingstelle, in der Problemfälle beraten werden, noch schneller zur Entscheidung in den Senat gebracht werden. „Wir müssen einfach voran kommen“, sagt Müller. Das Ziel, 30.000 landeseigene Wohnungen in dieser Legislaturperiode (2016 bis 2021) zu errichten, sei ambitioniert, so Müller. „Aber man kann es erreichen oder zumindest sehr nah rankommen.“ Und das müsse weiter engagiert verfolgt werden.

Katrin Lompscher: „Die Neubau-Aktivitäten kommen auf Touren"

Tatsächlich sehen die aktuellen Planungen vor, dass die sechs landeseigenen Unternehmen 26.149 Wohnungen bis 2021 fertigstellen. Die Pläne für den Bau von 30.000 Wohnungen haben sie damit nicht aufgegeben. Begonnen werden soll bis 2021 sogar der Bau von 31.566 Wohnungen. Ein Teil davon wird jedoch erst nach dem Ende der Legislaturperiode fertig. Geplant sind mittlerweile insgesamt rund 50.000 Neubauwohnungen. Mehr und mehr der günstigen Wohnungen kommen in die Vermietung. Während im vorigen Jahr 3279 Wohnungen der landeseigenen Gesellschaften fertiggestellt wurden, sollen es in diesem Jahr 5000 sein.

Was die Senatsmitglieder beruhigen dürfte: Der geplante Mietendeckel werde nach jetzigem Stand nicht dazu führen, dass der Neubau der landeseigenen Unternehmen reduziert wird, sagt Gesobau-Chef Jörg Franzen. Der Regierende Bürgermeister bezeichnet den Referentenentwurf für den Mietendeckel als einen Zwischenstand. Zu den sensiblen Punkten gehöre die geplante Möglichkeit zur Absenkung der Miete, wenn die Wohnkosten mehr als 30 Prozent des Einkommens ausmachen – aber auch, dass es bisher keine Differenzierung der Miet-Obergrenze nach Lage gebe. Darüber soll also noch geredet werden.

Über weitere Stationen für ein Studierenden-Wohnhaus der Gesobau in Gesundbrunnen und ein Projekt der Howoge in Lichtenberg erreicht der Tross am Ende ein Bauvorhaben für gemeinschaftliches Wohnen der Stadt und Land in Neukölln. Lompschers Fazit: „Die Neubau-Aktivitäten kommen auf Touren. Was wir sehen, hat eine hohe Qualität.“