In Berlin lockt nicht nur der Reichstag viele Besucher an, auch der Bundesrat steht bei politisch Interessierten hoch im Kurs. Weil die Besucherzahl in der Vertretung der Länder stark gewachsen ist, plant der Bundesrat jetzt den Neubau eines Besucherzentrums. Vor wenigen Tagen hat das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) einen Architektenwettbewerb dafür ausgeschrieben.

„Das Besucheraufkommen des Bundesrates hat sich von zirka 20 000 Besuchern im Jahr 2001 auf zirka 70 000 Besucher im Jahr 2012 vergrößert“, sagte Bundesratssprecher Jost Hübner am Montag. Damit stieß die Kapazität der Räume des Hauses, die eigentlich auf einen Sitzungsbetrieb eingestellt seien, an ihre Grenzen. Darüber hinaus müssten Besuchergruppen derzeit häufig auch bei ungünstiger Witterung auf dem Bürgersteig in der Leipziger Straße warten. Das habe Kritik hervorgerufen. Mit dem neuen Besucherzentrum soll sich das ändern.

Zwei Rollenspielsäle sind geplant

Derzeit gehöre es zu den besonderen Attraktionen der Besucherführungen im Bundesrat, Jugendgruppen in Rollenspielräumen die Arbeit des Gesetzgebungsorgans simulieren zu lassen, sagte Hübner. Das soll fortgesetzt werden. „Für das neue Besucherzentrum sollen zwei Rollenspielsäle sowie zwei weitere Konferenzräume für die Betreuung von Erwachsenengruppen geplant werden“, so Hübner. „Dieses soll helfen, die schon jetzt häufig kritische Situation zu entzerren“.
Das Besucherzentrum der Ländervertretung soll auf einem freien Grundstück in der Leipziger Straße 2, direkt neben dem jetzigen Bundesratsgebäude, errichtet werden. In dem Neubau sollen auch Büros entstehen. Sie sind für einen Teil der Bundesrats-Beschäftigten gedacht, die jetzt noch in Räumen des benachbarten Finanzministeriums einquartiert sind, diese aber verlassen müssen. Im Erdgeschoss des Besucherzentrums soll dem Vernehmen nach ein Café einziehen. Um das Bau-Grundstück maximal auszunutzen, soll neben dem geplanten Besucherzentrum ein Bürogebäude errichtet werden, das an andere Nutzer vermietet wird. Die Kosten für das gesamte Projekt belaufen sich laut Hübner auf 70,4 Millionen Euro. Die Arbeiten sollen bis 2018/19 abgeschlossen werden.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung begrüßt die Pläne. Die Einrichtung eines Cafés erfülle die Wünsche nach einer lebendigen Nutzung des Erdgeschosses, sagte Behördensprecherin Petra Rohland.

DDR-Bau soll abgerissen werden

Der Bundesrat residiert seit dem Jahr 2 000 in dem denkmalgeschützten Gebäude, das im Jahr 1904 als Sitz des Preußischen Herrenhauses errichtet worden war. Das Grundstück hat eine bewegte Geschichte. Das Gebäude mit der Hausnummer 3, das dort vor dem Herrenhaus stand, war von 1825 bis 1851 im Besitz der Familie Mendelssohn Bartholdy, die es in ein repräsentatives Wohngebäude umbauen ließ. In dem Palais soll nach einer Legende Felix Mendelssohn Bartholdy seine Musik zu Shakespeares Sommernachtstraum komponiert haben. 1856 erwarb der Staat das Gebäude für die Unterbringung des Herrenhauses des Preußischen Landtages. 1898 wurde es mit dem Nachbarhaus Nr. 4 abgerissen, um dem Neubau des Herrenhauses Platz zu machen, dem heutigen Bundesratsgebäude.

Nicht nur der Bundesrat hat neue Pläne, der Bundestag will ebenfalls neu bauen. An der Dorotheenstraße 85/Ecke Schadowstraße in Mitte soll das 1973 bis 1974 nach Plänen des Architekten Roland Korn errichtete Verwaltungsgebäude abgerissen werden, heißt es in einer Ausschreibung des BBR. Der DDR-Bau soll einem neuen Bürogebäude weichen, in dem „verschiedene Fachbereiche“ der Verwaltung einquartiert werden sollen. Außerdem ist eine Arztpraxis für den Betriebsärztlichen Dienst sowie eine Kantine mit 200 Sitzplätzen vorgesehen. Das bisherige Gebäude steht zwar als Teil des Denkmalensembles Dorotheenstadt unter Ensembleschutz, doch erfolgt der Abbrauch laut Ausschreibung „im Einvernehmen mit dem Landesdenkmalamt“.