Berlin - Grünstreifen oder Wohnungsneubau? Darüber streiten die Anwohner des Ernst-Thälmann-Parks in Prenzlauer Berg mit Stadtplanern und Wohnungsunternehmen. Denn im Viertel und im angrenzenden Gebiet an der Anton-Saefkow-Straße sollen 2200 neue Wohnungen gebaut werden, zum Teil durch städtische Wohnungsbaugesellschaften wie die Gewobag, der bereits 1 100 Wohnungen im Thälmann-Park gehören, zum Teil durch private Investoren.

Nach den Plänen des Bezirkes wäre ein bisher als Anwohner-Parkplatz genutztes Gelände an der Lilli-Henoch-Straße für etwa 700 neue Wohnungen geeignet, auf einem Gelände zwischen S-Bahn Greifswalder Straße und Anton-Saefkow-Straße, auf dem noch ein Zementwerk seinen Sitz hat, könnte ein Quartier mit 1200 neuen Wohnungen entstehen. Der Bezirk Pankow will mit seinen Plänen neuen Wohnraum schaffen für die vielen Zuzügler. Laut Prognose wächst die Zahl der Berliner bis zum Jahr 2030 um 250.000 Menschen, Pankow rechnet mit etwa 60.000 neuen Bewohnern. „Darauf müssen wir reagieren“, sagt der Stadtrat für Stadtentwicklung, Jens-Holger Kirchner (Grüne).

Doch die Baupläne werden zu einem ungünstigen Zeitpunkt bekannt. Denn seit Jahresbeginn sind Anwohner und das vom Bezirk beauftragte Unternehmen Stattbau damit beschäftigt, ein Gesamtkonzept, ein Leitbild für die Hochhaussiedlung und anliegende Straßen zu entwickeln. Die Bürger sollen mitreden und mitentscheiden, was künftig im Thälmann-Park passiert. Bürgerbeteiligung heißt das Verfahren.

Denn während die umliegenden Altbauviertel in den vergangenen zwei Jahrzehnten saniert und extrem aufgewertet wurden, ohne dass die Bewohner ein Mitspracherecht hatten, blieb für die etwa 4000 Bewohner im Thälmann-Park fast alles im Alten. Die Durchschnittsmiete liegt heute bei etwa 5,13 Euro kalt. 20 Prozent der Bewohner sind über 64, die Arbeitslosigkeit liegt mit 13 Prozent über dem Berliner Durchschnitt von 9,4 Prozent. Viele Hochhäuser müssten saniert werden, ebenso Spielplätze, Gehwege und Parkanlagen. Die Bewohner fürchten steigende Mieten.

„Alibi-Beteiligung“

Einen Workshop mit ihnen gab es im Juni 2013, die Teilnehmer durften ihre Wünsche, Pläne und Ängste aufschreiben. Ein zweiter geplanter Workshop fiel aus. Doch dann luden Stattbau und der Bezirk die Bewohner am Mittwochabend zur öffentlichen Präsentation der Zwischenergebnisse ein. Das überraschte die Bewohner, viele schimpften und protestierten laut. „Drei Monate gab es keinen Kontakt und jetzt wird uns hier ohne jede Beteiligung eine massive Bebauung reingedrückt“, sagt Andreas Höpfner von der Anwohner-Initiative Thälmann-Park.

Von „Alibi-Beteiligung“ ist die Rede, von einer „Beteiligungsfalle“. Denn das anfangs geplante Untersuchungsgebiet hat der Bezirk in östlicher Richtung um das Areal am Anton-Saefkow-Park erweitert und dort den Bau von 1200 Wohnungen festgelegt. „ Wenn wir jetzt noch mal in die Baupläne reinschauen dürfen, ist das keine Bürgerbeteiligung“, sagt Höpfner. Die Initiative fordert statt der Neubauten einen Grünstreifen, der parallel zur S-Bahn von der Prenzlauer Allee bis zur Kniprodestraße reichen soll.

In ihrer Präsentation versprechen die Planer den Bewohnern, alle bestehenden Grünflächen im Wohngebiet, es sind 20 Hektar, zu erhalten. „Wo Grün ist, soll Grün bleiben“, sagt Projektleiterin Constance Cremer. Sie spricht von einer „grünen Insel im Häusermeer“. Ein Fahrradweg ist geplant, das Kulturareal an der Danziger Straße mit dem Clubhaus Wabe und dem Theater unterm Dach soll für acht Millionen Euro saniert werden, ein Schul- und Kindercampus soll entstehen mit einer neuen Kita. Über all diese Pläne wollen die Anwohner nun erneut diskutieren. „Wir beginnen wieder bei Null, wir haben Zeit“, sagt Anwohner Markus Seng.

Stadtrat Kirchner erkennt noch „erheblichen Diskussionsbedarf“. Er sagt, der Thälmann-Park stehe im Fokus einer gesamtstädtischen Debatte. Das Areal soll Sanierungsgebiet werden mit staatlicher finanzieller Förderung. Dafür braucht es ein schlüssiges Gesamtkonzept, und, wie Kirchner sagt, „klare Aussagen zum Neubaupotenzial.“ „Wir haben eben nicht alle Zeit der Welt.“ Ein nächster Workshop mit den Anwohnern wird jetzt vereinbart.