Berlin - Das Hotel Park Inn war etwa vier Jahrzehnte die erste Adresse für Touristen, die direkt am Alexanderplatz übernachten wollten. Der 125 Meter hohe Turm – vor 45 Jahren als Hotel Stadt Berlin eröffnet – war sozusagen der Platzhirsch. Generalmanager Jürgen W. Gangl hat eine gravierende Veränderung rings um sein Hotel beobachtet. Mehr als ein halbes Dutzend neue Hotels aller Kategorien haben dort in den vergangenen fünf Jahren neu eröffnet. „Vom Wachstum Berlins und den vielen neuen Übernachtungsgästen hat der Alexanderplatz profitiert“, sagt Gangl. Noch bereitet ihm das keine Sorgen. Obwohl in unmittelbarer Nähe jetzt noch zwei weitere Hotels dazukommen.

Kritik von den Anwohnern

Unter der Marke Hampton by Hilton entsteht auf dem bereits abgezäunten Gelände an der Otto-Braun-Straße Ecke Mollstraße ein neues Hotel. Mit 344 Zimmern soll es das größte Haus der Hilton-Gruppe in diesem mittleren Preissegment sein, teilte Patrick Fitzgibbon, der Senior Vize-Präsident von Hilton Worldwide, am Dienstag mit. Mit dem neuen Hotel wolle man im Herzen Berlins präsent sein, sagte er. Zur Gruppe gehören in der Stadt bereits das Waldorf Astoria am Breitscheidplatz und zwei weitere Häuser.

Betrieben wird das Hampton by Hilton in Mitte von der Interstar Hotel GmbH. Baubeginn für das neungeschossige Gebäude soll im Herbst dieses Jahres sein. Das Projekt hat die Lambert Wohnbau GmbH entwickelt, auch mehr als 40 Wohnungen sind geplant, die an der Mollstraße entstehen sollen.

Das Vorhaben wird von Anwohnern scharf kritisiert: Sie fühlten sich durch den Neubau vor ihren Wohnzimmern wie in einen „Hinterhof zurückversetzt“, wie sie sagen. Ihre Proteste konnten das Projekt zwar nicht verhindern, sie hatten aber zumindest den Erfolg, dass die ursprüngliche Planung abgespeckt wurde: Das Hotel wird eine Etage niedriger gebaut, zudem wird auf einen Gebäudeteil verzichtet. Laut Hilton werden die ersten Gäste Anfang 2018 empfangen.

Skybar in der 19. Etage

Ein weiteres Hotel entsteht hinter dem Kino Cubix an der Grunerstraße. Der Berliner Projektentwickler Wilfried Euler errichtet dort ein 60 Meter hohes Gebäude. Mit 708 Zimmern soll es das größte Motel-One-Hotel Deutschlands werden. Baustart ist in diesem Frühjahr. Eine Besonderheit soll eine Skybar in der 19. Etage sein. Bemerkenswert ist, dass Euler bereits das Gelände um das Holiday Inn an der Otto-Braun-Straße bebaut hat. Ebenso hat er das Konzept für das Hampton by Hilton-Areal entworfen und das Grundstück an Lambert verkauft.

Mehr als 1000 neue Hotelzimmer am Alexanderplatz findet Park-Inn-Chef Gangl zwar viel, bisher habe aber das Verhältnis zwischen neuen Übernachtungsgästen und neuen Hotelbetten gestimmt, wie er sagt. Nach seiner Einschätzung könnte Berlin in Zukunft aber Probleme bekommen. Den Grund dafür sieht Gangl darin, dass der Umfang des Kongressgeschäfts nach der Schließung des ICC sinken könnte. „Der neue City Cube steht wegen verschiedener Messen 90 Tage im Jahr nicht für Kongresse zur Verfügung“, sagt Gangl. Wenn die Übernachtungszahlen aber stagnieren, bedeute das Verluste auch für die Hotels. „Die Stadt muss aufpassen, dass sie das gute Kongressgeschäft nicht verliert.“