Die Bausenatorin entschied sich doch für eine Bienenwiese - entgegen der Stimmen der Bürger. 
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Berlin Eines der wichtigsten Schlagworte der aktuellen Planungskultur ist Bürgerbeteiligung. Sie ist fest in den Gesetzen verankert und klappt doch immer wieder nur sehr bedingt, man denke an das jüngste Beispiel Neuplanung der westlichen Karl-Marx-Allee. Die Bürger, Denkmalpfleger und Verwaltungen hatten sich dort in langen Verhandlungen auf ein Konzept geeinigt, das steinerne Parkplätze auf dem Mittelstreifen vorsah. 

Die Bausenatorin dagegen entschied – umweltpolitisch weit sinnvoller, aber eben nicht abgesprochen – für eine Bienenwiese. Derzeit hängt die Angelegenheit in der Luft. Vielleicht wäre sie besser gelaufen, wenn man von vornherein nach dem Modell der „Neuen Auftraggeber“ gehandelt hätte. Das ist eine in Frankreich schon seit vielen Jahren erfolgreiche, langsam auch in das restliche Europa schwappende Bewegung, die versucht, Bürger wirklich zu Akteuren der Gestaltung ihres Lebensumfelds zu machen, ohne deswegen auf die Kenntnisse von Fachleuten zu verzichten.

Bürger sind die neuen Auftraggeber

Diese Bürger seien nämlich die „Neuen Auftraggeber“, wie man gerade erst im Grünen Salon der Volksbühne erfahren konnte. Die Veranstaltung wurde von eben dieser und der rührigen Architekturzeitschrift Arch+ organisiert. Anh-Ling Ngo, Redakteur von Arch+, moderierte, die Verlegerin Ilka Ruby warf kritische Fragen ein, verwies auch darauf, dass etwa mit den Baugemeinschaften in Berlin und einzelnen Projekten, in denen Räume für die Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt würden, auch in Deutschland ähnliches schon geschehe.

Alexander Koch, Direktor der „Neuen Auftraggeber“ führte begeisternd vor, wie erfolgreich etwa der Umbau einer ganz normal verrotteten Schule in der Bretagne zum neuen Gemeindezentrum oder ein Projekt des sozialen Wohnungsbaus in einem kleinen südfranzösischen Dorf von seinen Leuten moderiert werden konnten. Die Bürger nämlich suchen sich bei dieser „Methode“, wie sie Koch beschrieb, „Moderatoren“, die ihrerseits erst einmal die Programmideen der Initiatoren kritisch hinterfragen und dann Künstler, Architekten, Planer, Designer oder auch Techniker vorschlagen, damit diese Projekte auch entstehen können.

„Planbude“ in Hamburg erfolgreich

Danach wird das Geld bei Stiftungen, Privatleuten, auch in den staatlichen Haushalten gesucht, und das Projekt wird zusammen realisiert.  Christoph Schäfer, Künstler und Stadtplaner, zeigte, wie mit der „Planbude“ in Hamburgs Viertel St. Pauli selbst mächtige Investoren wie die Bayrische Hausbau gebändigt werden können, wie der Hamburger Senat gezwungen wurde, ein Stück teures Land mit Elbblick zur öffentlichen Gartenanlage umzuwidmen.

Jetzt lockt hier eine Südseeinsel mit zwei Palmen – inzwischen hochbeliebtes Fotomotiv. Das Publikum an diesem Abend war jung und nicht zuletzt deswegen zusammengekommen, weil angekündigt worden war, dass hier auch über die Bürgerbeteiligung in Fall großer Staatsprojekte geredet werden würde. Ngo fing denn auch gleich mit dem Skandal um die Berufung von Florian Pronold zum Gründungsdirektor der Bundesstiftung Bauakademie an.

Für Ngo ist sie, wie der Nachbau der Berliner Schlossfassaden, ein Musterbeispiel für die Durchsetzung von Spezialinteressen – dem Nachbau der Schinkel’schen Bauakademie – und die Ignoranz der von ihm allerdings nicht genauer gezeigten Gemeinschaftsinteressen.   Nach den Schilderungen der Projekte der „Neuen Auftraggeber“ konnte man die Geschichte allerdings auch genau gegenteilig lesen: Nämlich als der Erfolg eben einer sich selbst ertüchtigenden und den Staat dann vor sich her bis zum Bau treibenden Bürgerbewegung.