Fahrgäste hasten zur S-Bahn, Busse stehen dicht an dicht, und im U-Bahnhof startet die U 9 im Minutentakt. Kein Zweifel: Am Rathaus Steglitz befindet sich der wichtigste Nahverkehrsknoten im Südwesten Berlins. In naher Zukunft soll er noch bedeutender werden. Ein Bündnis fordert, auch Regionalzüge nach Steglitz fahren zu lassen. Es wäre ein Projekt, das sich rasch realisieren ließe und wenig kosten würde, hieß es. „Politik ist die Kunst des Machbaren“, sagte Christfried Tschepe vom Fahrgastverband IGEB . „Und es ist machbar, die Regionalbahnlinie RB 33 zu verlängern.“

Tschepe saß am Dienstagabend im Bürgersaal des Rathauses Zehlendorf, um über die mögliche neue Regionalzugverbindung zu sprechen. Der Einladung der Linken-Abgeordneten Franziska Brychcy war auch Alexander Kaczmarek gefolgt. Drei bis fünf Millionen Euro würde es kosten, Steglitz und Zehlendorf ans Regionalbahnnetz anzuschließen, teilte der Konzernbevollmächtigte der Bahn mit. Zwei bis drei Jahre würde der Bau dauern.

Die Schienen liegen bereits

„Das Gleis ist schon da,“, so Kaczmarek. In Nikolassee zweigt es ab, um auf der Wannseebahn nach Zehlendorf zu führen. Dort schwenkt es auf die Potsdamer Stammbahn ein, die älteste Bahnstrecke Berlins, die in diesem Jahr 180 Jahre alt wird. Bis Lichterfelde West ist sie in Betrieb. Güterzüge, die zwischen den Kölner Ford-Werken und einem Zulieferer in der Goerzallee im Süden von Zehlendorf verkehren, sind dort unterwegs. Von Lichterfelde West ist es nicht mehr weit nach Steglitz. Insgesamt geht es um rund elf Kilometer.

Wo Frachtzüge rollen, können auch Regionalbahnen fahren. Noch enden die Dieseltriebwagen der RB 33 aus Jüterbog, Treuenbrietzen und Beelitz in Wannsee. Damit sie weiter in die Stadt fahren könnten, müsste ein Bahnsteig in Zehlendorf ausgebaut und mit einem Aufzug versehen werden, in Steglitz wäre ein Bahnsteig neu zu zimmern. Ach ja: „In Lichterfelde West müsste ein Signal aufgestellt werden“, so Kaczmarek. Ebenfalls kein Problem.

„RB 33 jetzt!“

Das sieht die Senatsverkehrsverwaltung anders. Aus Berliner Sicht wäre der verkehrliche Nutzen gering, die Kosten für die Herrichtung der Strecke wären zu hoch, sagte Sprecher Matthias Tang. „Aufwand und Nutzen stehen in keinem vernünftigen Verhältnis. Die Finanzmittel sollen für verkehrlich sinnvolle Verkehrsleistungen ausgegeben werden.“

Auch Günther Drobisch von der Bürgerinitiative Stammbahn äußerte Kritik. Er befürchtet, dass ein Dauer-Provisorium entsteht, das ein wichtigeres Projekt nebenan aus dem Blick geraten lässt: den Wiederaufbau der Stammbahn zwischen Berlin und Potsdam für einen leistungsfähigen Regionalverkehr. „Seit Jahrzehnten wird über die Stammbahn diskutiert, ohne Ergebnis“, ärgert sich Drobisch. „Es ist bedauerlich, dass man jetzt immer noch über Provisorien spricht“ – zumal Regionalbahnen im Stundentakt die Straßen kaum entlasten würden.

„Es geht um eine Zwischenlösung, die vielen Menschen nutzen würde“, entgegnete Kaczmarek. An dem Ziel, die nach 1945 größtenteils stillgelegte Stammbahn wiederaufzubauen, halte auch er fest – allerdings müssten dafür mindestens zehn Jahre einkalkuliert werden. Franziska Brychcy hält die Stammbahn ebenfalls für notwendig, aber auch die Zwischenlösung. Sie kündigte eine parteienübergreifende Initiative im Abgeordnetenhaus an – „mit dem Motto: RB 33 jetzt!“