Berlins Polizeipräsident Klaus Kandt fordert eine deutliche personelle Aufstockung seiner Behörde. Der Bedarf an neuen Beamten belaufe sich auf eine „hohe dreistellige Zahl“, sagte Kandt der Berliner Zeitung, wollte die Zahl aber nicht näher spezifizieren. Nach Informationen dieser Zeitung geht es um mehr als 900 Stellen. Die Berliner Polizei hat derzeit rund 16 000 Stellen im Vollzugsdienst. Die Wunschliste, die Kandt Innensenator Frank Henkel (CDU) auch für die anstehenden Verhandlungen über den kommenden Doppelhaushalt übermittelt hat, begründet der Polizeipräsident mit der „wachsenden Stadt“ und der steigenden Belastung seiner Behörde.

„Meine Kolleginnen und Kollegen sind im vergangenen Jahr kaum aus den Stiefeln rausgekommen,“ schilderte Kandt die Situation. Man sei 2014 durch personalaufwendige Einsätze wie zum Beispiel am von Flüchtlingen besetzten Oranienplatz und der Gerhart-Hauptmann-Schule in Friedrichshain-Kreuzberg oder gegen Drogenhändler im Görlitzer Park belastet gewesen. Außerdem sei die Zahl der Demonstrationen im Jahr 2014 auf den Rekordstand von rund 4 950 gestiegen. Nach einem Bericht einer internen Expertenkommission der Polizei ist das Personal in den Abschnitten zudem überaltert.

„Ich finde es wichtig, dass wir die Abschnitte stärken, zum Beispiel auch die zivilen Operativkräfte, die wir nachts auf die Straße schicken,“ sagte Kandt. Weitere Kollegen brauche man auch in der Technik. Die Bewerberlage sei zufriedenstellend, berichtete der Polizeipräsident. Ein Viertel der Interessenten habe einen Migrationshintergrund. Entschieden verwahrte sich Kandt gegen die Behauptung des früheren Finanzsenators Thilo Sarrazin (SPD), für die Einstellung von Migranten habe die Polizei die Standards abgesenkt. „Das ist Unsinn.“ Die Einstellungsvoraussetzungen seien für alle Bewerber gleich: „Die Sprache ist für unsere Mitarbeiter eine Schlüsselqualifikation. Sie ist ein K.-o.-Kriterium für den Beruf,“ sagte Kandt. Die Beamten könnten einen Akzent haben, aber „sie müssen studierfähiges Deutsch sprechen und fehlerfrei einen Bericht formulieren können.“

Kandt verteidigte seinen Ansatz, Personal schwerpunktmäßig auf Fälle zu konzentrieren, die einen Ermittlungserfolg versprechen. „Wir müssen schauen, wo Ermittlungen Sinn haben.“ Wenn es etwa bei einem Fahrraddiebstahl keinen Täterbezug und keinen verwertbaren Fingerabdruck gebe, „wie viel Energie soll ich als Ermittler in diesen Fall stecken? Selbst wenn ich zehn Leute auf das Fahrrad ansetze, wird es wenig bringen. Es würde aber etwas bringen, wenn ich zehn Leute einsetze für Fälle, bei denen ich einen Ermittlungsanhalt habe, der mich zu einem Täter führt,“ sagte der Polizeipräsident.

Angesprochen auf die Proteste gegen den Bau von Flüchtlingsheimen in Berlin wegen angeblich gestiegener Kriminalität sagte Kandt, dies habe man stichprobenartig bei drei Heimen – in Mariendorf, Lichtenberg und Mitte – untersucht. „Insgesamt gab es keine nennenswerte Erhöhung der Kriminalität. “ Die Zahl der Körperverletzungen sei leicht angestiegen, dabei habe es sich jedoch insbesondere um Auseinandersetzungen der Heiminsassen untereinander gehandelt.

Es habe zudem eine geringfügige, aber keine besorgniserregende Erhöhung der Zahl der Ladendiebstähle in der Nähe von Heimen gegeben. Kandt: „Man kann immer wieder nur sagen: Da kommen Flüchtlinge aus Krisengebieten. Das sind keine Kriminellen, die über uns herfallen.“