Ursprünglich engagierten sie sich gegen den Berlin-Umzug der Bundesregierung. Doch dann zogen sie noch vor dem ganzen Polit-Tross vom Rhein an die Spree: Vor zwanzig Jahren gründeten die Bonner Gastronomen Friedel Drautzburg und Harald Grunert die Kölsch-Kneipe am Schiffbauerdamm. Viele Politiker gingen hier ein und aus, jetzt allerdings heißt es Abschied nehmen.

Die beiden Gastronomen haben ihr Restaurant verkauft, am Freitagabend feierten sie ihren mit einem Fest in der Kulturbrauerei.

„Ich blicke voller Glückseligkeit zurück, so viel tolle Menschen habe ich als Gastronom kennengelernt“, sagt der 79-jährige Friedel Drautzburg. Am Freitagabend empfingen er und Grunert zahlreiche Politiker und Weggefährten zum Abschied. Als Moderator des Abend wirkte Ex-Tagesthemen-Moderator Ulrich Wickert.

Es gibt obergäriges Kölsch-Bier und rheinische Gerichte

„Mit ihm habe ich damals in Bonn Jura studiert“, sagt Drautzburg. „Auch wenn wir dann beide beruflich keine Juristen geworden sind.“ Als Laudator trat abends Ex-Außenminister und Grünen-Urgestein Joschka Fischer auf. Auch der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach und selbst der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) feierte mit.

Letzterer blieb allerdings am Tisch sitzen, als die kultige Kölsch-Band Bläck Fööss als Überraschungsgäste auftraten und das Kesselhaus mit Songs wie „Unser Stammbaum“ oder „En unserem Veedel“ rockten.

Gastronomisch bietet die „StäV“ am Schiffbauerdamm bekanntlich obergäriges Kölsch-Bier und rheinische Gerichte wie Himmel un Äad (Blutwurst mit Kartoffelstampf und Apfelmus). An den Wänden hängen allerlei Erinnerungsstücke an die alte Bundesrepublik und auch an die DDR.

Die jüngeren Gäste kennen die ausgestellten Politiker nicht mehr

Das soll im Prinzip auch so bleiben. „Wir behalten das Konzept bei, auch Karnevalsfeiern wird es natürlich weiter geben“, sagt Jan Philipp Bubinger, 32, zuletzt Bar-Manager im Kölner Interconti. Gemeinsam mit dem 38-jährigen Jörn Peter Brinkmann, zuvor beim Hotel de Rome, führt er nun die Geschäfte.

Mit ein paar mehr Longdrinks auf der Karte wollen beide künftig auch ein jüngeres Publikum ansprechen. Einer der Gründe für eine – wenn auch kleine – Neuausrichtung ist, dass viele jüngere Leute die in der StäV ausgestellten Politiker gar nicht mehr kennen. Das bestätigt auch Drautzburg, der weiter in Berlin wohnen wird. „Letztens hat ein 17-jähriger Abiturient bei uns behauptet, Bundeskanzler Adenauer hätte die Mauer gebaut“, sagt er.

Drautzburg und Grunert haben weiter die Rechte am Namen „StäV“, sind Lizenzgeber. „StäV“-Kneipen gibt es inzwischen in Bremen, Hannover und am Flughafen Köln/Bonn. Drautzburg will unbedingt noch eine „StäV“ im BER-Flughafen einrichten. Wenn der mal öffnet.