Sechs Tötungsverbrechen aus früheren Jahren in Berlin werden von der Polizei und Wissenschaftlern nachträglich als Taten mit rechtsextremistischer Motivation eingestuft. Grund dafür ist eine Untersuchung des Zentrums für Antisemitismusforschung in Berlin, das sich zusammen mit Ermittlern bestimmte ältere Morde und andere Gewalttaten mit tödlichem Ausgang noch einmal sehr genau ansah, wie die Polizei am Montag mitteilte. Zuvor war „Der Tagesspiegel“ bei einer langjährigen Recherche zu dem Thema auf deutlich höhere Zahlen von Opfern von Neonazis gekommen als die Polizeibehörden mit ihren offiziellen Statistiken.

Insgesamt 83 Todesopfer rechter Gewalt

Es geht um sechs Fälle mit sieben Todesopfern zwischen 1992 und 2001, die nun in die entsprechende Statistik aufgenommen werden: ein Angriff von Skinheads auf einen Obdachlosen, den Mord von Skinheads an einer Prostituierten, die Tötung von zwei Neonazis durch andere Rechtsextremisten, den Mord an einem arbeitslosen Mann durch Skinheads, die Tötung eines Mannes durch Rechtsextremisten in Berlin-Buch und den tödlichen Angriff zweier rechtsextremer Brüder auf den Freund ihrer Mutter.

Bei weiteren, neu untersuchten Fällen blieb die bisherige Einordnung, die nicht von einer rechtsextremen Motivation ausging, bestehen.

In Berlin gab es nach dem Bericht des „Tagesspiegels“ nun seit der Wiedervereinigung neun Todesopfer durch rechtsextreme Täter. Bundesweit steigt die offizielle Zahl demnach auf 83. Der „Tagesspiegel“ kommt bei seinen Berechnungen auf 150 Todesopfer. (dpa)