Berlin - Sich die Fahrpläne der Berliner Verkehrsbetriebe aufs Handy zu laden und auch gleich ein Ticket zu kaufen – das ist möglich mit der neuen App der BVG, die es ab sofort auf dem Markt gibt. Damit passen sich die Verkehrsbetriebe nach eigenen Angaben dem veränderten Kaufverhalten an.

Die für iPhones und Android-Smartphones programmierte Applikation erlaubt unter anderem den Zugriff auf Fahrpläne und Routenvorschläge des Verkehrsunternehmens. In einem weiteren Schritt kann man den benötigten Fahrschein kaufen – per Lastschrift oder Kreditkarte. Dies gilt bisher freilich nur für Einzelfahrscheine oder Tageskarten. Vier-Fahrten-Karten oder Monats- und Jahreskarten sind bisher nicht erhältlich. Als dritter Schritt erscheint der Fahrausweis auf dem Display, der beim Busfahrer oder bei einer Kontrolle vorgezeigt werden kann.

Debatte um Datenschutz

Die Tickets sind personengebunden und gelten nur, wenn der Besitzer sich ausweisen kann. Übertragbar sind sie nur, wenn der Besitzer mitfährt. Die BVG versteht ihr Angebot als Ergänzung des ebenfalls bargeldlosen „Touch and Travel“ der Deutschen Bahn, mit dem man bisher auch BVG-Fahrscheine kaufen und auf dem Handy-Bildschirm aufploppen lassen kann.

Bei der Präsentation der App hieß es am Mittwoch, man wisse von Vorbehalten der Kunden. So sei es bei „Touch and Travel“, anders als bei der BVG-App, nicht ohne weiteres möglich, den Fahrpreis exakt festzustellen. Stattdessen werde eine als intransparent empfundene Gebühr fällig. Außerdem monierten Kritiker, dass das GPS-gestützte „Touch and Travel“-Angebot die Wegstrecke des Kunden erfasst – unter Datenschutzaspekten mindestens problematisch.

Die BVG glaubt, mit ihrer App diesen Bedenken Rechnung getragen zu haben. „Bei uns sehen die Kunden sofort, was ein Fahrschein kostet, nämlich genau so viel wie am Automaten“, sagt BVG-Finanzvorstand Henrik Falk. „Außerdem wissen wir gar nicht, welche Strecken unsere Kunden fahren. Und wir wollen es auch gar nicht wissen.“

Ein paar wirtschaftliche Ziele haben sich die Verkehrsbetriebe mit ihrer neuen App aber durchaus gesetzt. „Wir wollen doppelt so viel Umsatz machen wie mit Touch and Travel“, sagt Falk. Zweites Ziel sei es, bereits nächsten Jahr ein Prozent des Umsatzes im Fahrkartenverkauf über Handys zu erzielen. Das wären etwa sechs Millionen Euro pro Jahr, dafür müsste eine siebenstellige Anzahl Tickets abgesetzt werden. Für Falk steckt noch mehr Fantasie im elektronischen Verkauf: In „fünf bis zehn Jahren wird der Großteil unseres Ticketumsatzes über diesen Vertriebsweg laufen“, sagt er.

Angesichts dieser Aussichten scheinen die Kosten, die die BVG für diesen Service bisher hatte, überschaubar: Die von einem Dienstleister gelieferte App kostete die BVG bisher rund 35 000 Euro.