Bei der Razzia gegen Mitglieder einer arabischen Großfamilie am Dienstagmorgen ist die Polizei möglicherweise auf einen Teil der Beute aus dem spektakulären Raub im Kaufhaus des Westens im Dezember 2014 gestoßen. Die Beamten fanden bei dem Einsatz in einer Wohnung in Neukölln hochwertigen Schmuck und Uhren. „Jetzt wird geprüft, ob sie im Dezember 2014 im KaDeWe geraubt wurden“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, am Mittwoch.

An jenem Adventssonnabend, mitten im Einkaufstrubel, hatten vier Vermummte die Vitrinen zweier Juwelierläden im KaDeWe eingeschlagen und Schmuck und Uhren im Wert von mehr als 800 000 Euro erbeutet.

Nachdem die Polizei am Dienstag in Berlin 16 Objekte durchsuchte und acht Männer verhaftete, wurden inzwischen neue Details bekannt. Nach Informationen der Berliner Zeitung fanden die Ermittler bei der Razzia auch rund 50 000 Euro in bar, eine scharfe Schusswaffe und 150 Schuss Munition. Die Fahnder entdeckten auch Drogen und einen Funkscanner, mit dem es möglich ist, den Polizeifunk abzuhören. Die Ermittler sind zurzeit auch dabei, zahlreiche sichergestellte schriftliche Unterlagen auszuwerten.

Hintergrund des Großeinsatzes sind mehrere Ermittlungsverfahren – wegen des KaDeWe-Raubs, wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und das Waffengesetz sowie wegen eines gescheiterten Auftragsmordes.

So ermittelt die 3. Mordkommission gegen mehrere Mitglieder der kurdisch-libanesischen Familie Z. und gegen den in der Türkei geborenen Hayrettin A. wegen Anstiftung zu einem versuchten Tötungsdelikt. Dem 42-Jährigen, der am Dienstag in seiner Wohnung in Gropiusstadt verhaftet wurde, hatte der gleichaltrige Ömer A. im vergangenen Jahr die Frau ausgespannt. Die Ermittler gehen davon aus, dass der gehörnte Ehemann deshalb Mitglieder der Familie Z. bat, Ömer A. zu töten.

Familie soll Auftraggeber um Mord-Honorar betrogen haben

Der 26-jährige Zaki Z. und weitere Verwandte sollen daraufhin Ali H. angeheuert haben. Für den Mordauftrag ließen sie sich zwar gut bezahlen, die Tat wollten sie aber nicht ausführen. Sie sollen Ali H. angewiesen haben, Ömer A. nur ins Bein zu schießen. Solche Verwarnungen sind in der Szene üblich und werden „markieren“ genannt. Tatsächlich schoss Ali H. dem Opfer im Oktober ins Gesäß. Das Honorar für den nichtausgeführten Mord behielten Zaki Z. und Konsorten. Weil er die Wut des geprellten Auftraggebers fürchtete, tauchte Zaki einige Zeit lang in der Türkei unter.

Zwischenzeitlich verpfiff Ali H., der angeheuerte Schütze, aus einem noch unbekannten Grund die Familie Z. und den Mordauftraggeber Hayrettin A. bei der Polizei. Im März und in der ersten April-Woche machte er umfangreiche Aussagen bei der Polizei. Er gab sogar zu, dass er beim Überfall im KaDeWe dabei war. Er beschuldigte auch den 26-jährigen Khalil Z. als damaligen Komplizen. Besonders pikant: Im Januar hatte das Gericht Khalil Z. vom dringenden Tatverdacht freigesprochen. Bei der Razzia am Dienstagmorgen durchsuchten die Ermittler auch Khalil Z.’s Wohnung in der Neuköllner Karl-Marx-Straße. Sie fanden offenbar nichts Verwertbares.

Insgesamt vollstreckten die 220 Polizisten nicht nur acht Haftbefehle, sondern nahmen auch einen weiteren Mann fest, den sie bis Mittwoch einem Haftrichter vorführen wollten. Zudem wurden zehn Personen mit ins Landeskriminalamt genommen, um sie erkennungsdienstlich zu erfassen. Durchsucht wurden auch ein Pizza-Lieferservice an der Sonnenallee, eine Shishabar an der Reuterstraße und ein Juweliergeschäft an der Karl-Marx-Straße. „Die Ermittlungen sind noch lange nicht am Ende“, sagt ein Beamter.