Besitzer einer Straße oder Brücke, das wär´s! „Mir gehört die Oranienstraße und die Admiralbrücke“, könnte man sagen und in sich hineinlächelnd die Reaktion des Gegenübers abwarten. Natürlich stimmt das dann nur so halb. Aber es fühlt sich zumindest kurz gut an.

Halb meint: virtuell. Denn ab dem 9. Dezember gibt es die Möglichkeit, neue Berliner Domains zu erwerben, also heißbegehrte Endungen für Internetadressen. Die Domains lauten kastanienstraße.berlin oder nollendorfplatz.berlin, vergleichbar mit den Länderdomains „.de“. Mehr als 16.000 dieser neuen Berliner Straßennamen-Domains stehen zum Verkauf. 60 Euro kostet so eine Adresse im Jahr.

Vor Missbrauch schützen

Schon seit Februar gab es die Möglichkeit, Internetadressen mit der Endung „.berlin“ zu erwerben. Berlin war weltweit die erste Hauptstadt überhaupt, die über so eine eigene URL im Internet verfügte, eine sogenannte Top-Level-Domain. Inzwischen haben auch andere Städte nachgezogen, Hamburg zum Beispiel oder Köln.

Der Berliner Senat reservierte jedoch die besonders wertvollen Namen von Anfang an für sich. Mehr als 16.000 solcher Adressen – vor allem begehrte Straßen-, Brücken- oder Plätzenamen – waren davon betroffen. „Wir haben die Domains vorsorglich für öffentliche Institutionen und Bezirke vorreservieren lassen, auch um sie vor Missbrauch zu schützen“, sagt Bernhard Schodrowski, stellvertretender Sprecher des Senats. Jetzt hat die Stadt diese Domains freigegeben.

„Die Internetadressen können nun auch kommerziell von den Bürgern genutzt werden“, sagt Hans-Peter Oswald, Geschäftsführer von Secura. Die Firma mit Sitz in Köln registriert die „.berlin“-Domains. Zuständig für die Verwaltung der neuen Internetadressen ist die Gesellschaft Dot Berlin.

Registeriung ist verbindlich

Bereits jetzt kann man sich für diese neuen Domains vorregistrieren, kostenfrei. Allerdings ist die Registrierung verbindlich. Das heißt: Wenn man sie bekommt, muss man zahlen. Das Ganze läuft nach dem Motto: „First come, first served“, sagt Hans-Peter Oswald. Wer sich also zuerst registriert, erhält den Zuschlag. Für Namen, die ein Umlaut oder ß beinhalten, gibt es sogar zwei Domains.

Vor allem für lokale Unternehmen, die ein Berlin-Gefühl vermitteln wollen, ist so eine Straßennamen-Adresse interessant. Aber ebenso für Privatpersonen, die vielleicht einen Kiez-Blog schreiben, Firmen, die sich in Berlin niedergelassen haben, für Organisatoren von Straßen- oder Kiezfesten, für Besitzer von Cafés, Restaurants oder Arztpraxen. Auch Google listet solche Adressen besser: Im Schnitt werden die Domains bei der Google-Suche eine Position höher angezeigt.

Voraussetzung ist eine Anschrift in Berlin. Lebt keiner der Kontaktpersonen in der Hauptstadt, kann das allerdings auch legal umgangen werden. Die Firma Secura stellt dann kostenfrei einen Treuhänder zur Verfügung.