Dass der Regierende Bürgermeister in der vielleicht schwersten Krise seiner Amtszeit steckt, ist ihm bewusst. Seit die geplante Eröffnung des neuen Großflughafens in Schönefeld verschoben wurde, räumte Klaus Wowereit mehrfach indirekt ein, dass die Berliner viel Vertrauen verloren hätten. Auf die Frage, was bei einer weiteren Terminverschiebung passieren, wie er auf den steigenden Druck der Öffentlichkeit und absehbare Rücktrittsforderungen reagieren würde, sagte Wowereit in einem Interview mit der Berliner Zeitung: „Ich kann Ihnen versichern, dass der Druck jetzt schon stark ist.“

Wie recht er damit hatte, zeigt die neue Forsa-Umfrage. Zum zweiten Mal binnen weniger Wochen brach Wowereit im Urteil der Berliner um den ungewöhnlich hohen Wert von 0,5 Punkten ein. Nachdem er auf der Rangliste der wichtigsten Politiker der Stadt bereits im Mai vom ersten auf den dritten Platz abgerutscht war, liegt der Senatschef jetzt nur an neunter Stelle, also erstmals seit Jahren im hinteren Mittelfeld. Der CDU-Vorsitzende, Innensenator Frank Henkel, konnte hinzugewinnen und liegt unangefochten auf Platz eins. Forsa befragte vom 18. bis 28. Juni 1.001 Berliner, die statistische Fehlertoleranz beträgt plus/minus drei Prozent.

Sozialdemokraten verlieren

Auch die SPD befindet sich weiter auf Abstiegskurs. Zum dritten Mal in Folge mussten die Sozialdemokraten in der politischen Stimmung einen Punkt abgeben. Wenn an diesem Sonntag Abgeordnetenhauswahl wäre, käme sie nur noch auf 26 Prozent der Stimmen und läge damit deutlich unter ihrem Wahlergebnis vom September 2011 (28,3 Prozent). Die CDU, die seit der Wahl mit der SPD in einer großen Koalition regiert, legte zwei Punkte auf 24 Prozent zu. Die Linkspartei konnte ebenfalls leicht profitieren – anders als die Piraten, deren Höhenflug offenbar beendet ist. Sie verloren drei Punkte und liegen nun mit 12 Prozent wieder deutlich hinter den Grünen, die wie im Mai 18 Prozent erreichten.

Das Ausmaß der Krise zeigt sich noch in einer weiteren Frage: Danach gefragt, welche Partei mit den Problemen in Berlin am besten fertig wird, nannten im Juni nur mehr 23 Prozent der Befragten die SPD, zwei Punkte weniger als im Mai. So niedrig war dieser Wert zuletzt vor einem haben Jahr. Die CDU konnte zwei Punkte zulegen, aber liegt mit 14 Prozent immer noch deutlich hinter ihrem Koalitionspartner. Die Oppositionsparteien Grüne, Linke und Piraten liegen unverändert weit abgeschlagen zwischen zwei und sieben Prozent. 52 Prozent der Befragten trauen keiner Partei politische Kompetenz zu.

Stöß noch unbekannt

Dass der neue SPD-Vorsitzende Jan Stöß die Lage seiner Partei verbessern könnte, scheinen die Berliner nicht zu erwarten. Überraschend ist das allerdings kaum, für die meisten dürfte der frühere Kreischef von Friedrichshain-Kreuzberg ein Unbekannter sein. Bislang glauben nur 21 Prozent der Befragten, dass Stöß ein besserer Parteichef wird als sein Vorgänger Michael Müller, 34 Prozent glauben das nicht. 45 Prozent sagten: weiß nicht. Selbst die Anhänger der SPD halten Müller mit 36 zu 24 Prozent für den besseren Parteichef. Am schlechtesten schneidet Stöß bei den CDU-Anhängern ab. Nur 16 Prozent von ihnen sagen, er wird ein besserer Vorsitzender, 50 Prozent votieren für Müller.

Die Mehrheit scheint es jedoch richtig zu finden, dass Stöß die SPD stärker profilieren und notfalls auch mal gegen die Senatoren seiner Partei Senat abgrenzen will. Dass dieser Kurs der SPD nutzen wird, bejahen 48 Prozent der Befragten. 33 Prozent meinen hingegen, es werde der Partei eher schaden.