Von einem „Bürokratiemonster“ spricht Udo Mertens von der Pädagogen-Gewerkschaft GEW. „Das ist eine Zumutung, gerade für Schulleitungen“, sagt Robert Rauh, Berliner Lehrer des Jahres 2013. Gemeint ist die neue Fortbildungsregelung für Lehrer, die nun als Entwurf vorliegt. Und die hat es in sich: Künftig sollen die Berliner Schulleitungen genau erfassen, wie viele Fortbildungen die Lehrer machen.

Dafür hat die Bildungsverwaltung eigens ein neuartiges Punktesystem entwickelt. Auf acht Punkte soll ein Vollzeit-Lehrer pro Schuljahr kommen. Für Ganztagsveranstaltungen mit Vortrags- und Seminarcharakter gibt es vier Punkte, für Halbtagsveranstaltungen zwei Punkte, für Vorträge von mindestens zwei Stunden gibt es einen Punkt.

Klar festgelegt wird in dem Entwurf, dass „Fortbildungsveranstaltungen in der Regel in der unterrichtsfreien Zeit stattfinden“. Das widerspreche teilweise einer gültigen Dienstvereinbarung, machte GEW-Mann Mertens geltend. Der ganze Entwurf sei völlig überflüssig.

Jeder vierte neu eingestellte Pädagoge ist Quereinsteiger 

Tatsächlich gibt es ein solches Punktesystem auch in anderen Berufsbranchen. Eine Fortbildungsverpflichtung gibt es bereits im gültigen Lehrkräftebildungsgesetz. Nun wird angeregt, insbesondere die drei letzten Werktage der Sommerferien für Fortbildungen zu nutzen, dann müssen Lehrer ohnehin in der Schule präsent sein.

„Wer einen Tag am Ende der Sommerferien und dann den Studientag nutzt, kommt schon auf acht Punkte“, betonte Beate Stoffers, Sprecherin der Bildungsverwaltung. Fortbildungsveranstaltungen seien für Lehrkräfte Recht und Pflicht zugleich. Auch externe Anbieter können Fortbildungen anbieten, wenn sie von der Verwaltung anerkannt werden.

Geschichtslehrer Robert Rauh ist verärgert; „Die Verpflichtung zur Fortbildung, die wir als Lehrer künftig über ein aufwendiges Punktesystem nachweisen sollen, ist nicht nur bürokratisch“, sagt er. „Sie unterstellt auch, dass sich die Lehrer von allein nicht fortbilden würden.“ Besonders wichtig erscheint das Thema Fortbildung allerdings, weil derzeit mehr als jeder vierte neu eingestellte Pädagoge ein Quereinsteiger ist. Nicht selten sind diese Neulehrer sogar ohne jegliche pädagogische Kenntnis.