Berlin - Drei Teilnehmer haben sich am vergangenen Donnerstag zum Kinder-Hip-Hop Tanz in der Frauensporthalle in Marzahn eingefunden. Die kleinen Tänzer verlieren sich ein wenig in der großen Halle, die Tanzschritte hallen als Echo von den Wänden. Dennoch ist Claudia Zinke, Vorsitzende des Vereins für Sport und Jugendsozialarbeit, zufrieden. Sie hat die neue Halle vor zwei Wochen mit eröffnet. Dass die Teilnehmerzahl an den Kursen noch gering ist, beunruhigt sie nicht. „Das ist ganz normal, wenn man mit etwas Neuem anfängt. Die Kurse laufen gerade an, manche starten sogar erst nächste Woche. Viele Leute haben noch nicht mitbekommen, dass es dieses neue Angebot überhaupt gibt.“

Dieses neue Angebot heißt vor allem: mehr Sport für Frauen. Nur am Wochenende und freitags ist die Halle auch für Männer geöffnet. Von Montag bis Donnerstag sollen dagegen nur noch ausschließlich Frauen und Kinder bis 12 Jahren dort trainieren. Denn die Halle ist hauptsächlich auf Vereinssport ausgerichtet, und dort sind Frauen bislang deutlich unterrepräsentiert. Im Bezirk Marzahn-Hellersdorf ist nur etwa ein Drittel der Mitglieder in Sportvereinen weiblich.

„Der Bezirk hatte deshalb beschlossen, das Angebot insgesamt attraktiver für Frauen zu gestalten“ sagt Zinke. Dazu gehöre nun einmal auch eine männerfreie Zone. „In mehreren Umfragen wurde festgestellt, dass Frauen beim Sport lieber unter sich sind“, sagt Zinke, „und sich vor allem auch ein anderes Sportangebot wünschen als Männer. Weniger Leistungssport und mehr Gymnastik.“

Frauen sind lieber unter sich

Ein Zeichen von Sportmuffeligkeit ist die geringe weibliche Teilnehmerzahl in den Vereinen nämlich nicht – Frauen trainieren bislang allerdings wohl lieber in Fitnessstudios. „Von den etwa 8,5 Millionen Menschen, die in Fitnessstudios trainieren, sind über die Hälfte weiblich“ sagt Refit Kamberovic, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes deutscher Fitness- und Gesundheitsanlagen. „Die Frauen sind also eigentlich fleißiger als die Herren.“ Von den 7800 deutschlandweiten Fitnessstudios – ob Einzelbetriebe oder große Ketten – seien mittlerweile rund 1000 Studios sogar ausschließlich auf Frauen ausgerichtet.

Linn Rödenbeck ist Pressesprecherin der Fitnessstudio-Kette Hard Candy, die sowohl gemischte Studios, als auch Studios speziell für Frauen anbietet. Und auch sie kommt zu einem ähnlichen Schluss wie Claudia Zinke: „Frauen sind beim Sport gerne unter sich. Aus religiösen Gründen beispielsweise, aber auch, weil sie das Training dann einfach entspannter finden“.

So wie Julia und Sarah. Die beiden Studentinnen trainieren regelmäßig zusammen bei „Lady Company“ in Friedrichshain. „Wir haben natürlich nichts gegen Männer“ sagt Sarah, „aber in gemischten Studios herrscht manchmal auch eine Flirt-Stimmung, das mag ich beim Sport nicht. Unter Frauen ist es auch egal, wie man nach einer Stunde auf dem Laufband aussieht“. Frauen legten außerdem weniger Wert auf reines Krafttraining. „Sie trainieren lieber Ausdauersport oder nehmen an Gymnastik- und Tanzkursen teil“, sagt Rödenbeck.

Auch Kickboxen im Programm

In der Frauensporthalle in Marzahn hat man das neue Kursangebot deshalb stärker auf Gymnastik und Tanz ausgerichtet und dafür sogar einen neuen Verein gegründet. „Fit und Fun Marzahn“ bietet bislang 33 Kurse für Frauen jeden Alters an – darunter finden sich vor allem Aerobic-Angebote, Trainingsprogramme für den Rücken sowie Orientalischer Tanz oder Hip Hop. Doch auch Kickboxen und Selbstverteidigung für Frauen hat man in den Kursplan mit aufgenommen.

Immerhin – die wenigen Teilnehmerinnen, die sich zu den Kursen bislang eingefunden haben, zeigten sich laut Linke durchaus beeindruckt vom neuen Angebot. Und auch die Kursleiter sind optimistisch. Christina Minz beispielsweise leitet den Kinder Hip Hop Kurs auch bei nur drei Teilnehmern mit herzlicher Freude und viel Engagement. Die junge Trainerin ist erst vierzehn Jahre alt, tanzte aber schon bei der Hip Hop Weltmeisterschaft. „Aller Anfang ist schwer. Viele Leute wollen die Kurse vielleicht auch erstmal ausprobieren“, sagt sie.

Deshalb findet an diesem Sonnabend ein Tag der offenen Tür in der Sporthalle statt. Von 10 Uhr bis 18:30 Uhr wird im halbstündigen Takt eine Auswahl des Kursangebotes präsentiert, zum Mitmachen natürlich. Die Teilnahme ist kostenlos. Und diesmal sind übrigens auch Männer ausdrücklich erwünscht.