Das Vorhaben ist ambitioniert, der Plan liegt seit Jahrzehnten in den Schubladen. An der Karl-Marx-Allee wollen der Bezirk Mitte und der Senat in den kommenden Jahren Berliner Architekturgeschichte fortschreiben. Von ursprünglich elf geplanten frei stehenden Glaspavillons zwischen Strausberger Platz und Alexanderplatz wurden Ende der 1950er Jahre nur fünf gebaut. Die sechs fehlenden Glaswürfel könnten nun in modernem Gewand den städtebaulichen Entwurf von Josef Kaiser und Werner Dutschke komplettieren. 

Am 9. Mai sollen erste Ideen zur Nutzung und Entwürfe der Öffentlichkeit präsentiert werden. Gebäude wie die Pavillons an der Karl-Marx-Allee hatte man in der DDR noch nie gesehen. Hallen mit offenem Galeriegeschoss und großflächiger Verglasung. Im Zuge des zweiten Bauabschnitts der Karl-Marx-Allee entstanden sie nach Plänen von Josef Kaiser und Walter Franek zwischen 1959 und 1965. 

In ganz Ostberlin waren die Mokka-Milch-Eisbar (heute die Bar Alberts), der Kosmetiksalon Babette (heute die Bar Babette), Modesalon Madeleine (heute Camp 4), Schuhhaus Centrum (heute Fahrradladen) und Kunst im Heim (heute Galerie Capitain Petzel) bekannt, siehe Grafik. Sie sollten – neben repräsentativen Großbauten wie dem Kino International, dem Café Moskau und dem Hotel Berolina – für Weltstadtflair sorgen und zum Flanieren einladen.

Heute stehen die Pavillons unter Denkmalschutz, Einzelhandel, Galerien und Gastronomie sind in die zum Teil sanierten Gebäude eingezogen. Dafür, dass Babette und Co. bald neue Nachbarn bekommen, machen sich nun der Bezirk Mitte und das Land Berlin stark.

In Zusammenarbeit mit der Wohnungsbaugesellschaft Mitte werden sie in den kommenden Jahren die sechs fehlenden Pavillons an den ursprünglich vorgesehenen Stellen errichten, und damit die Karl-Marx-Allee als bedeutendes städtebauliches Ensemble weiterbauen. Auch die neuen Pavillons werden zwei Geschosse und eine transparente Glasfassade haben. Eine Kopie der DDR-Würfel sollen sie nicht sein. Fünf Architektenbüros haben bereits erste Entwürfe für „moderne, zeitgemäße Interpretationen“ erarbeitet.

Zum Werkstattverfahren waren die Architekturbüros MGHS, Brandlhuber, Kawahara Krause, Brenne, AFF und Herzog & de Meuron eingeladen. Letztere sagten aber ab. Am 9. Mai werden nun die Entwürfe im BVV Saal des Rathauses Mitte präsentiert. Auch über die Nutzung der Pavillons sollen die Anwohner und Interessierte dann diskutieren. 

Grundstücke gehören der WBM

Ein bezirklicher Kulturstandort ist denkbar, Musikschule, Volkshochschule, Galerien, Stiftungen, Ateliers sind möglich. Doch die Karl-Marx-Allee ist eine repräsentative Straße, das verpflichte, so Birgit Nikolait, vom Fachbereich Stadtplanung. Beim Bezirk wünscht man sich daher, dass die neuen Pavillons stadtweit Publikum anlocken. 

Alle sechs Grundstücke entlang der Allee gehören der WBM, auch wenn die Bauten wirtschaftlich sein müssen, sollen exklusive Showrooms und Einzelhandel nicht einziehen, heißt es aus dem Bezirksamt. Sowieso sind bis zum Baubeginn noch einige Fragen zu klären. Was geschieht mit der verschlossenen Unterführung am Alex, was mit den Bäumen an den Stellen, wo gebaut werden soll? „Nicht morgen, aber übermorgen“, soll es losgehen, heißt es im Bezirksamt zum Zeitrahmen.