Diese Baustelle wird viele Autofahrer in den kommenden zwei Jahren nerven: Die Bösebrücke im Verlauf der Bornholmer Straße, die Wedding und Prenzlauer Berg verbindet, wird bis 2017 saniert – und so lange zur Einbahnstraße. Autos dürfen die Brücke nur noch in Richtung Westen befahren.

Wer in Richtung Osten will, muss einen Umweg durch Wohngebiete in Kauf nehmen: über die Jülicher, Behm- und Malmöer Straße. Die neue Verkehrsregelung gilt seit Montagnachmittag – und schon zu Beginn zeigten sich die Probleme. Auf der Behmstraßenbrücke stockte der Verkehr.

Es geht um Berlins erste genietete Stahlbrücke aus dem Jahr 1916. Als Hindenburgbrücke eröffnet, bekam die 138 Meter lange Überführung über den Gleisen einen neuen Namen – nach Wilhelm Böse, der gegen die Nazis gekämpft hat. Nach dem Mauerbau 1961 entstand auf der Ostseite eine Grenzübergangsstelle. Sie war am 9. November 1989 der erste Übergang, der angesichts des Ansturms von DDR-Bürgern geöffnet wurde – was David Bowie später besang: „Twenty thousand people cross Bösebrücke“. Als „böse Brücke“ spielt die Überführung auch in der Soap „Gutes Wedding, schlechtes Wedding“ eine Rolle.

Doch die denkmalgeschützte Ost-West-Verbindung ist nicht mehr belastbar. Der Lkw-Verkehr hat der Bogenbrücke zugesetzt. Zudem ist sie zu schwer. Darum wird der Beton durch eine leichtere Version ersetzt. Widerlager, Treppen und Stützwände werden ebenfalls saniert, Kosten: 5,3 Millionen Euro.

Schon vor zehn Jahren hieß es im Senat, dass die Brücke saniert werden muss. Es würden kurzfristige Vollsperrungen drohen. Doch sie blieb offen, obwohl sie mit einer 3,0 benotet wird – was „nicht ausreichender Zustand“ heißt. Festgelegt wurde, dass Lkw mehr Abstand einhalten müssen. Jetzt lässt sich die Sanierung nicht mehr aufschieben.

In Richtung Osten rollen nun täglich rund 10.000 Kraftfahrzeuge durch Wohngebiete – weshalb Anwohner die Bürgerinitiative Malmöer und Jülicher Straße gegründet haben. Einbahnstraßen wurden eingerichtet, sieben Ampeln umprogrammiert, Kopfsteinpflaster ist durch Asphalt ersetzt worden. Doch gleich am Montag zeigte sich, dass die Umleitungsstrecke nicht so aufnahmefähig ist wie die Bornholmer Straße. Sie muss rund fünf Mal so viel Verkehr aufnehmen wie bisher.

Mitte 2016 müssen auch Fahrgäste der Straßenbahn leiden: Wenn die Nordhälfte der Brücken saniert wird, werden die Linien M 13 und 50 bis zu acht Wochen unterbrochen.