Es gibt nicht viele Berliner, die Saubach in Sachsen-Anhalt oder Buttstädt in Thüringen gesehen haben. Doch das wird sich ändern. Dort verläuft die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke der Bahn, auf der bald ICE-Züge aus Berlin mit Tempo 300 unterwegs sein werden. Die Fahrzeit nach Erfurt schrumpft um 50 Minuten, und es gibt mehr Sprinterzüge nach Frankfurt am Main, die weniger als vier Stunden brauchen.

„Der Fahrplanwechsel zum 13. Dezember wird den Berlinern mehr Licht als Schatten bescheren“, sagte Robert Ohler von der Deutschen Bahn (DB). Aber eben auch Schatten: Weitere Auslandsverbindungen und noch ein Nachtzug fallen weg.

Im Sommer hatte die Neubaustrecke Halle/Leipzig-Erfurt noch für Schlagzeilen gesorgt. Das Eisenbahn-Bundesamt weigerte sich, der Streckenkonstruktion der Baufirma Porr die Zulassung zu erteilen. Die Schienen sind auf Platten montiert, die auf zwei Betonschichten liegen. Um nachzuweisen, dass die neue Konstruktion sicher wie herkömmliche Systeme ist, hat im Juni ein Risikomanagementverfahren begonnen. Der Probebetrieb geht weiter. Sprecher Frank Kniestedt ist zuversichtlich: „Am 9. Dezember wird gefeiert, am 13. startet der Betrieb.“

Derzeit gibt es zwischen Berlin und Erfurt lediglich zwei Direktverbindungen. Fahrzeit: zwei Stunden und 40 Minuten. Vom dritten Advent an dauert die Reise eine Stunde und 50 Minuten, und es verkehren täglich mehr Züge. Ohler: „Werktags fahren sechs ICE-Züge pro Richtung, davon vier über Erfurt hinaus nach Frankfurt am Main“ – ohne weiteren Halt. Von Berlin brauchen diese Sprinter drei Stunden und 59 Minuten. Heute führt die Reise über Braunschweig und dauert zumeist eine Viertelstunde länger.

Letzte Fahrt nach Kopenhagen

Die Trasse nach Erfurt ist der erste Teil des achten Verkehrsprojekts Deutsche Einheit. Ende 2017 soll der zweite Abschnitt fertig werden: die Neubaustrecke durch den Thüringer Wald und weiter nach Nürnberg. „Täglich sind drei Sprinter-ICE zwischen Berlin und München geplant“, sagte Ohler. Dann dauert die Reise von der Spree an die Isar rund vier Stunden – heute mehr als sechs.

Von der Strecke nach München gibt es aber auch eine schlechte Nachricht. So streicht die Bahn wie berichtet zum Fahrplanwechsel den Nachtzug. Der Zug aus Hamburg, an den die Wagen aus Berlin in Hildesheim gekuppelt werden, fährt künftig über eine andere Route nach München. Der Berliner Zugteil müsste allein fahren – doch das wäre nicht wirtschaftlich, so Ohler.

Auch der letzte Zug Berlin-Kopenhagen fällt weg. Der Diesel-ICE fährt viele Kilometer unter Fahrdraht. „Ökologisch wenig sinnvoll“, sagte Ohler. Der Zugteil Berlin-Aarhus wird ebenfalls ausrangiert.

Zudem wird es am Tage nur noch eine Direktverbindung Berlin-Budapest geben. Auf der Route rollen künftig modernisierte tschechische Wagen – aber nur von und bis Prag.