Berlin - Autos können da nicht mehr mithalten, und auch das Flugzeug bekommt eine ernstzunehmende Konkurrenz. Knapp fünf Jahre noch, dann wird es Züge geben, die in drei Stunden und 45 Minuten von Berlin nach München fahren. Das hat Ingulf Leuschel, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn (DB), angekündigt. Heute sind die Fahrgäste meist mindestens zweieinhalb Stunden länger unterwegs.

Die Neu- und Ausbaustrecke zwischen Berlin und Nürnberg, die 2017 fertig sein soll, macht die Beschleunigung möglich. Inzwischen geht das einst von der rot-grünen Bundesregierung gestoppte Zehn-Milliarden-Euro-Projekt im ICE-Tempo voran.

Mit Tempo 100 oder 120 rollt der Zug durch das romantische Saaletal. Dann müht er sich durch dichten Forst gemächlich den Frankenwald hinauf. „Eigentlich sollten wir einen Euro Zuschlag kassieren, weil diese Strecke so schön ist“, scherzte Leuschel. Für Natur- und Bahn-Fans ist eine Zug-Fahrt von Berlin nach München derzeit eine feine Sache – für alle, die es eilig haben, weniger.

Konkurrenz für das Flugzeug

In Zukunft dürfen die Lokführer auf den Strecken, die nun entstehen, auf Tempo 300 beschleunigen. „Ab Ende 2017 dauert die Fahrt von Berlin über Halle nach München vier Stunden und 15 Minuten. Die ICE-Sprinter, die zwischen Berlin-Südkreuz und Nürnberg nicht halten, werden eine halbe Stunde schneller sein“, sagte Leuschel. Geht die Reise über Leipzig, kämen zehn Minuten hinzu. Heute sind ICE-Reisende nach München noch meist mehr als sechseinhalb Stunden unterwegs.

Auch nach Franken werde die Bahn zügiger: Von Berlin über Halle (Saale) nach Nürnberg seien drei Stunden, zwölf Minuten eingeplant. Der Sprinter spart auch hier Zeit: Er ist in zwei Stunden und 40 Minuten in Nürnberg. Heute dauert die Reise etwas weniger als fünf Stunden.

Vorgesehen ist, dass pro Richtung zum Teil zweimal stündlich ein Zug fährt. Leuschel: „Wir rechnen mit einer großen Nachfrage“ – und damit, dass die Bahn Airlines Kundschaft abwirbt. Zwischen Berlin und Hamburg sowie Hannover gibt es dank der dortigen Schnellstrecken schon lange keine Linienflüge mehr.

Selbst zwischen Berlin und Italien werde die Bahn konkurrenzfähiger, sagte Leuschel. Südlich von Innsbruck entsteht gerade der Brenner-Basistunnel. Ende 2026 soll in dem 64 Kilometer langen Bauwerk, das die Fahrt nach Südtirol um etwas mehr als Stunde beschleunigen wird, der Zugverkehr beginnen.

Eigentlich sollte das Verkehrsprojekt Deutsche Einheit 8, wie der Aus- und Neubau zwischen Berlin und Nürnberg offiziell heißt, seit Jahren fertig sein. Doch 1998, zwei Jahre nach dem Baubeginn, ordnete der Bund einen Baustopp an. Geld fehlte, die Wirtschaftlichkeit wurde bezweifelt. Auch vom Koalitionspartner der SPD: Der Ausbau bestehender Strecken und der Regionalverkehr sei wichtiger, so die Grünen. Ihnen kam es zupass, dass das Projekt auch in der DB Gegner hatte.

Baustopp galt nicht für Autobahn

Während der Bau der Autobahnen A 71 und 73, die ebenfalls durch den Thüringer Wald führen, unter Rot-Grün weiterging, ruhte der Bahnbau. Die Baustellensicherung kostete viele Millionen Euro. Erst 2002 hob Kanzler Gerhard Schröder (SPD) den Baustopp auf. Er wollte verhindern, dass sein bayerischer Widersacher Edmund Stoiber (CSU) im Wahlkampf darauf eingeht.

+„Wir sind im Plan und erreichen jetzt die Zielgerade“, sagte Marcus Schenkel von der DB Projekt Bau, Projektleiter für die Neubaustrecke zwischen Halle, Leipzig und Erfurt. Inzwischen seien fast alle Rohbauten fertig. Auch in der Brücke über die Saale-Elster-Aue, mit 8614 Metern längstes Brückenbauwerk in Deutschland, wurde die letzte Lücke geschlossen. Ende 2015 soll der Neubauabschnitt als Erster freigegeben werden. Dann dauert die Bahnreise von Berlin nach Erfurt deutlich weniger als zwei Stunden – heute sind es mehr als zweieinhalb.