Herbert Gellhorn ist 84 Jahre alt. Doch wenn es um sein Herzensthema geht, kann es der Johannisthaler in puncto Vitalität mit jungen Aktivisten aufnehmen. Seit Jahren streitet der gebürtige Swinemünder dafür, dass die kürzeste Bahnstrecke von Berlin in seine Heimatstadt und weiter zu den übrigen Usedomer Seebädern wieder aufgebaut wird.

„Berlin–Usedom in zwei Stunden statt in vier, das wäre dann möglich. Das Projekt muss von den Verantwortlichen endlich ernsthaft angepackt werden“, forderte Gellhorn – und hat dabei vor allem Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) im Blick. Jetzt wollen Berlin und Mecklenburg-Vorpommern wieder einen Anlauf starten.

Verkehrs-Staatssekretär Christian Gaebler (SPD) kündigte am Donnerstag an, dass sich beide Länder beim Bund erneut für die Schließung der Lücke zwischen Ducherow bei Anklam und Swinoujscie (Swinemünde) stark machen werden. „Wir werden auch über den Bundestag Druck ausüben“, sagte er.

Der Bund beruft sich auf eine Studie, die einem Wiederaufbau für den Reiseverkehr mangelnde Wirtschaftlichkeit bescheinigt. Die Befürworter entgegnen, dass die Strecke nicht nur für den Tourismus, sondern auch für den Güterverkehr wichtig wäre. Die Baukosten für die 43 Kilometer lange Trasse, die Teile der 1945 von der Wehrmacht gesprengten Karniner Brücke umfassen würde, werden auf 140 Millionen Euro geschätzt.

Eine Förderung durch die Europäische Union wäre aber möglich, was bis zu 65 Prozent der Baukosten abdecken könnte.
Gaebler bekräftigte auch die Forderung, die Strecke von Berlin nach Szczecin (Stettin) auszubauen und vollständig zu elektrifizieren. Er sei „nicht erfreut“, dass Ramsauer dieses Projekt auf die Zeit nach 2020 verschoben habe, sagte er.