Berlin - Im Jahr 2001 war Schluss. Zum letzten Mal fuhr ein Interregio von Berlin nach Rostock. Die Deutsche Bahn (DB) stellte die Fernverkehrslinie zur Müritz und an die Warnow ein, weil sie aus ihrer Sicht zu wenig genutzt wurde. Jetzt füllt sie die Lücke wieder: Zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember nimmt die Intercity-Linie zwischen Dresden, Berlin und Rostock den Betrieb auf. Das hat Personenverkehrsvorstand Berthold Huber am Dienstag bekräftigt.

Künftig wird sich das Angebot auf dieser Route auf eine Fahrt pro Stunde verdoppeln. Sparpreistickets für die gesamte Strecke werden nach der angekündigten Senkung der Mehrwertsteuer auf Fernzugfahrkarten ab 17,90 Euro zu haben sein.

„Wir wollen Schritt für Schritt Angebot und Kapazitäten des Schienenverkehrs ausbauen. Reisezeiten werden kürzer, Regionen rücken näher zusammen“, kündigte Huber an. Für Berlin ist die neue Intercity-Linie das erste sichtbare Ergebnis der Angebotsoffensive, die das Bundesunternehmen 2015 verkündet hatte.

Gratis-WLAN und Imbissservice

Das Konzept, das damals vom später geschassten Vorstand Ulrich Homburg präsentiert wurde, war eine Reaktion auf den zunehmenden Fernbusverkehr. „Wir wollen nicht länger schrumpfen, wir wollen wieder wachsen“, so Huber. Städte, die nur noch mit Regionalzügen erreichbar sind, sollen wieder an den Fernzugverkehr angeschlossen werden. Das gilt auch für Ostdeutschland, wo die Bahn in den 1990er-Jahren ein Interregio-Netz aufgebaut hatte – dessen Fahrgastzahlen aber hinter den Erwartungen zurückblieben, weil viele lieber Auto fuhren oder Fernverkehrsticket ihnen zu teuer waren.

Doch die neue Intercity-Linie dient nicht nur Städten wie Oranienburg, Neustrelitz und Waren (Müritz), die bald wieder häufiger von Fernzügen angesteuert werden. Auch die Berliner profitieren. Das neue Angebot entlastet die jetzigen Züge nach Rostock und Dresden, die an manchen Tagen überfüllt sind.

Die neue Nord-Süd-Expresslinie im Osten Deutschlands wird in zwei Stufen in Betrieb genommen. Los geht es am dritten Advent mit bis zu fünf Zugfahrten pro Tag und Richtung, so Huber. „Sie werden verkehren, wenn bei Pendlern und Touristen die größten Nachfrage besteht.“ Eingesetzt werden Intercity-Wagen der ersten Generation. Ab dem 8. März 2020 werden sie nach und nach ausgetauscht – durch Fahrzeuge, die gerade mal zwei Jahre alt sind.

Für eine ungenannte Summe (im Gespräch sind Beträge zwischen 200 und 360 Millionen Euro) hat die DB von der österreichischen Westbahn 17 Zuggarnituren, die von Stadler unter dem Markennamen Kiss gebaut worden sind, gekauft. Neun Garnituren werden auf der neuen Intercity-Linie eingesetzt.

Merkmale der Vier-Wagen-Züge: Höchstgeschwindigkeit 200 Kilometer in der Stunde, rund 300 Sitzplätze, jeder mit Steckdose, Gratis-WLAN, Imbissservice am Platz, in zwei Bistros oder an Automaten, Fahrradstellplätze.

Die elektrischen Doppelstockgarnituren aus Schweizer Produktion sind nicht nur moderner als die Züge, die zunächst auf der neuen Fernverkehrslinie verkehren, sie werden auch öfter fahren: bis zu acht Mal pro Tag und Richtung.

Laut Fahrplan wird die Reise vom Berliner zum Rostocker Hauptbahnhof in den meisten Fällen eine Stunde und 59 Minute dauern. Heute sind mit dem Regionalexpress 40 Minuten mehr einzuplanen. Für Berlin–Dresden werden ebenfalls eine Stunde und 59 Minuten veranschlagt. Das ist etwas weniger als bei den Eurocity-Zügen, die derzeit dort rollen, und etwas mehr als bei den Eurocity-Zügen im neuen Fahrplan.

"Das hat damit zu tun, dass sie öfter halten“, erklärte Huber. Ab 4. Mai stoppen die neuen Intercity-Züge im Bahnhof Flughafen Berlin-Schönefeld SXF, der heutigen Flughafenstation. Nach Eröffnung des BER (angekündigt ist das für Oktober 2020) halten sie stattdessen im Tunnelbahnhof unter dem neuen Hauptstadt- Airport, der damit ans Fernzugnetz angeschlossen wird. Weitere Halte gibt es in Elsterwerda. Für Doberlug-Kirchhain wird geprüft, ob die Kiss-Züge auch dort stoppen können. Die Bahnsteige sind noch nicht saniert.

Ab Mai weiter nach Warnemünde

Zum 17. Mai wird die neue Linie im Norden verlängert: nach Warnemünde. Dann soll dort das elektronische Stellwerk fertig sein.

Obwohl die Züge nicht über Potsdam fahren, wird die Stadt profitieren: Über Oranienburg und Schönefeld/ BER soll es gute Anschlussverbindungen geben, verspricht die Bahn.

Wie berichtet rollt ein Rostocker Zugpaar über Nacht von und nach Wien über Nürnberg und Regensburg. Auch Jena ist als Zwischenstopp im Gespräch. Mit dem IC 94/95 erhält Berlin eine dritte direkte Zugverbindung in die österreichische Hauptstadt, die zum 4. Mai 2020 durch den Railjet Berlin-Prag-Wien-Graz ergänzt wird. Der Grund für die Streckenverlängerung: Für die Kiss-Züge wird die Bahn die jetzige Werkstatt nutzen – und die liegt in Wien.