Berlin - Etwa 300.000 Menschen in Berlin und Brandenburg leiden nach Angaben des Senats unter Fluglärm durch den Airport Tegel. Berlins Umweltverwaltung veröffentlichte am Donnerstag eine Lärmkarte, die auf 185.464 Flugbewegungen im Vorjahr beruht. Daraus geht hervor, dass tagsüber 141.900 Berliner 55 bis 60 Dezibel Fluglärm ausgesetzt sind, 133.900 Hauptstädter mehr als 60 Dezibel.

Insgesamt sind demnach 275.800 Berliner im Tegel-Einzugsbereich betroffen, vor allem in den Bezirken Spandau, Reinickendorf und Pankow. Hinzu kämen Brandenburger, die in der Flugschneise leben, hieß es. „Die Zahlen zeigen, dass der Flughafen Tegel eine enorm belastende Lärmquelle für sehr viele Berlinerinnen und Berliner ist“, sagte Umwelt- und Verkehrsenatorin Regine Günther (parteilos/für Grüne). Der anstehende Volksentscheid für eine Offenhaltung Tegels verunsichere diese Menschen.

Vertrauen nicht enttäuschen

„Politik muss verlässlich sein“, betonte Günther. „Die Anwohner vertrauen seit Jahren darauf, dass der Flughafen Tegel geschlossen wird, wenn der BER in Betrieb genommen wird.“ Viele von ihnen hätten wichtige Lebensentscheidungen im Vertrauen auf diesen parteiübergreifenden Konsens getroffen. „Dieses Vertrauen darf nicht enttäuscht werden.“

Den - rechtlich nicht bindenden - Volksentscheid am Tag der Bundestagswahl am 24. September hatte eine maßgeblich von der FDP untertsützte Initiative mit einer Unterschriftensammlung erzwungen. Sie argumentiert, Tegel werde auch nach der Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER in Schönefeld weiter gebraucht, weil die Passagierzahlen weiter stiegen.

Der rot-rot-grüne Berliner Senat sowie das rot-rot-regierte Nachbarland Brandenburg und der Bund bestreiten diesen Bedarf und halten indes am Schließungsbeschluss für Tegel fest. Der Senat verweist in dem Zusammenhang schon länger auf rund 300.000 Fluglärm-Betroffene.

Sollte Tegel wider Erwarten doch weiterbetrieben werden, hätten nach Darstellung des Senats und der Flughafengesellschaft etwa 137.000 von ihnen Anspruch auf bauliche Schallschutzmaßnahmen. Hierfür sind laut Umweltverwaltung Kosten von knapp 400 Millionen Euro zu erwarten. Es handele sich um eine Schätzung auf Basis inzwischen veralteter Bevölkerungsprognosen. (dpa)