Berlin - Bislang waren autonome Busse, die ohne Fahrer auskommen, in Berlin nur auf Privatgelände unterwegs. Doch das ändert sich demnächst. Denn noch in diesem Sommer soll die erste Berliner Buslinie, auf der die neue Technik auf öffentlichen Straßenland eingesetzt wird, in Betrieb genommen werden.

Bestückt wird die neue Teststrecke im Bezirk Reinickendorf von dem französischen Fahrzeughersteller Easymile. Das Unternehmen produziert den Elektrokleinbus EZ10, der sich mit Laser- und Radarsensoren eigenständig auf Straßen zurechtfinden kann. Nach Informationen der Berliner Zeitung soll der neue autonome Shuttle-Service namens See-Meile den U-Bahnhof Alt-Tegel mit der Greenwichpromenade am Tegeler See verbinden. 

Ende 2018 hatten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) bereits angedeutet, dass sie an so einem Projekt mitarbeiten. Traditionell gibt es zwischen der Endstation der U-Bahn-Linie U6 und der Grünanlage am Tegeler See, an der viele Fahrgastsschiffe anlegen, keine BVG-Verbindung – ein hochautomatisierter E-Bus könnte diese Lücke schließen und ein echtes Verkehrsbedürfnis befriedigen. Anders als andere Fahrzeuge der BVG ist der EZ10 von Easymile, der nicht mal vier Meter lang ist, gut geeignet, durch die schmalen Straßen im Tegeler Ortskern zu navigieren.

Im niederbayrischen Kurort Bad Birnbach befördert ein solches Fahrzeug bereits seit 2017 Fahrgäste auf öffentlichen Straßen.

4000 Fahrgäste im ersten Jahr

In Berlin nahmen im März 2018 zwei EZ10- und zwei Navya-Elektrobusse auf Privatgelände der Charité in Mitte den öffentlichen Fahrgastbetrieb auf. Auf dem Campus Charité Mitte und Campus Virchow-Klinikum wurden drei Rundkurse eingerichtet, die insgesamt 3,5 Kilometer lang sind. Das Projekt "Stadtverträgliche Mobilität unter Nutzung elektrischer automatisierter Kleinbusse" (Stimulate), das bis 2020 dauert, kostet 4,1 Millionen Euro, von denen der Bund 3,2 Millionen Euro übernimmt.

2018 nutzten laut BVG rund 4000 Menschen die Möglichkeit, sich mit Höchsttempo 12 kostenlos befördern zu lassen. Derzeit ruht der Betrieb allerdings - wegen Wartungsarbeiten, wie es im Internet heißt. Fahrerlos waren die Busse ohnehin nicht unterwegs. Aus Sicherheitsgründen war stets Personal an Bord - so soll es auch auf der neuen Strecke in Tegel sein.