Neue Moschee in Mitte: Salafisten wollen nun im großen Stil neue Mitglieder rekrutieren

Die kleinste der drei salafistischen Moscheen in Berlin ist dicht. Die zweiflüglige Blechtür ist verschlossen, auch wenn man klingelt, öffnet niemand. Auch die Fenster des ehemaligen Gebetsraumes in der Nähe des U-Bahnhofs Amrumer Straße im Wedding sind fest verschlossen.

Nur ein paar Zettel mit religiösen Botschaften an den Scheiben zeigen, was hier bis vor kurzem war: Die Moschee, die auch der Breitscheidtplatz-Attentäter Anis Amri und der Rapper Denis Cuspert („Deso Dogg“) besucht haben sollen.

„Die haben keinen Mietvertrag mehr. Die haben die Kündigung bekommen“, sagt ein Händler aus der Nachbarschaft, in der es viele afrikanische Lebensmittelläden gibt. „Was die gemacht haben, wissen wir nicht. Das sind nicht unsere Leute.“ Mehr will er nicht sagen. Eine Frau in dem Haus, in dem die Moschee bis Ende Juni war, erzählt: „Die waren nur mit sich selbst beschäftigt. Sie haben keinen Kontakt zu anderen gesucht.“

Vom Verfassungsschutz überwacht

An den Fensterscheiben steht: „Macht die Dinge leicht, nicht schwierig und seid fröhlich, nicht bedrohlich.“ Oder: „Der Gläubige ist keine Person, die andere mit Worten verletzt, flucht oder ein schlechtes Mundwerk besitzt.“ Das klingt harmlos, doch harmlos waren die Leute hier offenbar nicht.

Der Verfassungsschutz hat die Menschen, die hierher zum Beten kamen, überwacht. Er rechnet sie dem politischen Salafismus zu – eine traditionalistische Bewegung des Islam: gefährlich, gewaltbereit und missionarisch. Diese Form des Islamismus vertrete eine extremistische Ideologie, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung gerichtet sei.

Predigten mit Elementen salafistischer Ideologie

Der Hauptprediger der Moschee habe sich zwar wiederholt gegen Gewalt ausgesprochen und den sogenannten „Islamischen Staates“ als irregeleitet bezeichnet. Aber seine Predigten enthielten „klassische Elemente salafistischer Ideologie“.

Sie glauben an eine globale Verschwörung, die das Ziel verfolge, den Islam zu erniedrigen und zu vernichten. Sie setzen auch auf eine scharfe Abgrenzung gegenüber Andersgläubigen – gemeint sind auch jene Muslime, die keine Salafisten sind.

Neue Hallen vermutlich in Mitte

Nach der Kündigung suchen die Salafisten neue Räume – um sich zu vergrößern, wie sie im Internet schreiben. Der Trägerverein behauptet, er habe zwei zusammenhängende Halle gefunden. Der Kaufpreis liege bei 800.000 Euro.

Die Hallen sind nach Informationen dieser Zeitung im Bezirk Mitte. Fotos von den Räumen hat der Hausprediger, der als Ahmad Abul Baraa bekannt ist, auf seiner Facebook-Seite gepostet. Der Mann gilt als einer der wenigen Berliner Salafisten-Prediger, die auch bundesweiten Einfluss haben. Auf die Frage, wie der Umzug laufe, sagte er: „Lassen Sie mich in Ruhe oder es gibt eine Anzeige.“

Leute rekrutieren im großen Stil

Der Verfassungsschutz kennt den neuen Standort, will ihn aber nicht nennen. „Ziel des Umzugs ist offensichtlich, dass man diese Ideologie öffentlich machen will. Die wollen weg von der Hinterhof-Moschee und sich anders präsentieren“, sagt Jörg Meyer, Sprecher des Verfassungsschutzes.

Der Verein habe vor, Leute im großen Stil zu rekrutieren. Deshalb hatte der Verein nach einer Moschee mit einem Fassungsvermögen von 1000 Personen gesucht. Diesen Platz mit Anhängern zu füllen, sei aber „Wunschdenken“.

Männer mit deutschem Pass

In der „As-Sahaba-Moschee“ dominieren junge Männer deutscher Staatsangehörigkeit, darunter auch Migranten zweiter und dritter Generation. Sie fühlen sich laut Verfassungsschutz vom Verein „Die Gefährten“ angezogen, weil dort salafistische Predigten und Unterricht auf Deutsch abgehalten werden.

Zuletzt wurde in der Moschee in Wedding 130 Personen gezählt. Der Verfassungsschutz sagt, 83 seien deutsche Staatsbürger. Die Gruppe der 47 Ausländer werde von je acht Türken und Russen angeführt. Der Anteil der Frauen liegt bei etwa sieben Prozent. Auffällig ist auch das niedrige Alter der Männer von 32 Jahren.