Eng ist auch an der Kolibri-Grundschule in Hellersdorf. Die Anzahl der Schüler hat sich innerhalb der vergangenen vier Jahre verdoppelt – 800 Kinder wuseln mittlerweile im Gebäude und auf dem ungepflegten Schulhof umher. Deshalb sammeln die Eltern mit einer Online-Petition Unterstützer.

Unter dem Motto „Die größte Hellersdorfer Grundschule geht unter“ wandten sie sich direkt an den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD). Nach einigen Wochen reagierte Müller tatsächlich und schickte am Donnerstag seinen neuen Staatssekretär Frank Nägele. Der Mann, heißt es in der Berliner Landespolitik, suche ja noch eine Aufgabe. Er soll sich offenbar um die Verwaltungsreform kümmern, die auch den Schulbau beschleunigen soll. Damit würde er Bildungsstaatssekretär Mark Rackles (SPD) entlasten, der derzeit genug damit zu tun hat, Lehrerstellen zu besetzen.

Es fehlen 700.000 Euro

Am Donnerstag kündigte Nägele an, den geplanten Mensa-Umbau an der Schönewalder Straße beschleunigen zu wollen – bisher war das im üblichen Berliner Behörden-Ping-Pong erst für 2020 vorgesehen. Denn die Mensa ist auf so viele Kinder nicht ausgelegt, Sanitäranlagen und Klassenräume ebenfalls nicht. „Die Politik kündigt immer an, gegen Aggressivität und Gewalt unter Schülern vorzugehen“, sagt Thoralf Herz von der Gesamtelternvertretung. „Doch ist das Problem auch hausgemacht, wenn so viele Kinder in eine Schule gepfercht werden.“

Auch anderswo im Bezirk ist die Lage angespannt. Die Grundschule am Fuchsberg in Biesdorf residiert seit mehr als zwei Jahrzehnten in einem Provisorium. Die ebenfalls übervolle Schule sollte nun während der Sommerferien endlich in einen Neubau umziehen. Doch jetzt müsse der Umzugstermin, der 12. August, wieder verschoben werden, sagt der Biesdorfer CDU-Abgeordnete Christian Gräff. Das sei der Schule zu kurzfristig. Zudem fehlten noch 700.000 Euro für den Kauf und die Aufstellung von sechs Containern. Damit sollten zusätzliche Unterrichtsräume in dem stark wachsenden Wohngebiet geschaffen werden. Schulstadtrat Gordon Lemm (SPD) will nun Geld vorschießen.

Immerhin dürfte der Anstieg der Grundschülerzahlen in den kommenden Jahren nun doch nicht ganz so stark ausfallen wie noch im vergangenen Jahr vorausgesagt. Das belegten neueste Zahlen. „Für das Schuljahr 2018/19 werden rund 2500 Schülerinnen und Schüler weniger erwartet“, teilte Staatssekretär Rackles auf eine Anfrage der Grünen-Politikerin Marianne Burkert-Eulitz mit. Das sei ein Rückgang um 0,8 Prozent. Das wären rechnerisch immerhin 100 Klassen weniger.

Dieser Trend würde sich nach aktueller Prognose fortsetzen: Denn 2025/26 werden nun 10 300 Schüler weniger erwartet als bisher, teilte Rackles mit und räumte ein: „Die Modellrechnung für 2017 stellt einen Sonderfall dar.“ Denn dabei wurden die Schüler, die über die Willkommensklassen in die Regelklassen kommen, hoch angesetzt und über vier Jahre gemittelt, teilte Rackles mit. Tatsächlich sei es bei den Willkommensklassen, die für Schüler aus Flüchtlingsfamilien und anderen Zuzüglern eingerichtet werden, zu einer Trendumkehr gekommen. Die Zahl der Willkommensklassen sank zu Beginn des noch laufenden Schuljahres von 8 807 auf 6 357. Grund: Es kamen weniger Flüchtlinge. Nach Rackles’ Rechnung wurden ursprünglich 0.5 Prozent Schüler zu viel geschätzt.

Es wird enger

Das Schülerwachstum bleibe auf hohem Niveau bestehen, betonte Marianne Burkert-Eulitz, bildungspolitische Sprecherin ihrer Fraktion. „Auch wenn sich der Anteil der Willkommensklassen verringert, bleiben zwei große Aufgaben für die nächsten Jahre unverändert: ausreichend Schulplätze schaffen und viele neue Lehrkräfte finden.“ In jedem Fall aber werde es enger in den Schulen. „Deshalb brauchen wir kreative Lösungen, damit pädagogische Konzepte nicht an der Raumfrage scheitern“, sagte sie. Die Prognosen werden jährlich fortgeschrieben. (BLZ)