Zur Eröffnung der neuen Traglufthalle am 4. Dezember war auch eine Schulklasse eingeladen. 
Foto:  Berliner Zeitung/Markus Wächter

BerlinSie sollte ein „neuer Superlativ für Berlin“ sein: So jedenfalls rühmte Sportsenator Andreas Geisel (SPD) die Traglufthalle des Kombibads Seestraße in Wedding bei ihrer Eröffnung Anfang Dezember, nach Angaben der Berliner Bäderbetriebe (BBB) ist sie Deutschlands größte. Mit der 2,2 Millionen Euro teuren Konstruktion wurden zwei Außenbecken überdacht.

Traglufthalle: Wasser mitunter nur 22 Grad warm

Doch jetzt stellt sich heraus, dass es in der Traglufthalle zu Temperaturschwankungen kommt. Das Badewasser ist mitunter nur 22 Grad warm, an anderen Tagen würden 27 Grad erreicht, teilten die Bäderbetriebe mit. Normal sind Wassertemperaturen um 28 Grad.  Temperaturschwankungen gibt es bei der Raumluft in der Halle,  dort ist es laut BBB   zwischen 24 und 29 Grad Celsius warm.

„Diese Schwankungen sind für den Schulschwimmunterricht nicht unproblematisch, da sich die Kinder nicht die ganze Zeit im Wasser aufhalten, sondern auch vom Beckenrand zuschauen, was im Wasser vorgemacht wird. Die Temperaturschwankungen stellen ein Risiko dar, dass sich die Kinder erkälten“, heißt es   in einer Mitteilung der Bäderbetriebe. Aus diesem Grund habe man „vorsorglich entschieden, das Schulschwimmen im benachbarten Hallenbad stattfinden zu lassen“. Der Schulunterricht fände uneingeschränkt statt. Das gleiche gelte   für das Schwimmen der Vereine.

Sportsenator Andreas Geisel (links) und BBB-Vorstand Johannes Kleinsorg  lobten die Traglufthalle bei ihrer Eröffnung.    
Foto Markus Wächter

Für die Öffentlichkeit bedeutet das aber, dass die Öffnungszeiten des Hallenbads eingeschränkt sind: Bis Freitag können Privatleute täglich nur zwischen 6.30 und 8 Uhr zum Schwimmen kommen. Laut Internetseite müsse zudem der Beginn von geplanten Schwimm-   sowie Aquafitnesskurse auf den 20. Januar verschoben werden.

Woher die Temperaturschwankungen kommen, blieb am Mittwoch zunächst unklar. Man arbeite an einer „Lösung, um die eingeschränkten Zeiten im Hallenbad für die Öffentlichkeit wieder auszuweiten“.

Die Halle ist ein zentrales Projekt für die Sanierung und Modernisierung der Berliner Bäder, denn mit der Halle schaffen wir die Kapazitäten, um in den dringend sanierungsbedürftigen Hallenbädern die nötige Bau­freiheit zu erreichen.“

Johannes Kleinsorg, BBB-Vorstand

 Johannes Kleinsorg, der zusammen mit Annette Siering als Vorstand die BBB leitet, hatte die Weddinger Traglufthalle bei ihrer Eröffnung als „zentrales Projekt für die Sanierung und der Modernisierung der Berliner Bäder“ bezeichnet. Durch die   Überdachung der 50-Meter-Außenbecken sollte Ersatz-Wasserfläche für zwei wegen Sanierung geschlossene Bäder in der Nähe - das Paracelsus-Bad in Reinickendorf und das Stadtbad Tiergarten - geschaffen werden. 

Angeblich Deutschlands größte Traglufthalle: Die luftgefüllte Konstruktion überspannt eine Grundfläche von 60x68 Metern. 
Foto: Carsten Koall/dpa

Diese beiden Bäder verfügen nach Angaben der Bäderbetriebe über knapp 1500 Quadratmeter Wasserfläche. Durch die Überkuppelung der beiden Außenbecken des Kombibads Seestraße wurden demnach 2072 Quadratmeter Wasserfläche im Winter nutzbar. Die Traglufthalle sollte ausschließlich Schulen und Vereinen zur Verfügung gestellt werden, im Gegenzug sollte das direkt angrenzende Hallenbad – das bis dahin bisher mehrheitlich von Schulen und Vereinen genutzt wurde – dann nahezu ausschließlich für die allgemeine Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.

Drei Jahre Nutzung geplant

Die Traglufthalle ist nach Angaben der BBB aus einer vierlagigen Folienkonstruktion hergestellt und wird von einem Seilnetz in Form gehalten. Die Seile sind mit 131 Ankern verbunden, die in den Boden des Freibades getrieben wurden. Die Traglufthalle soll in den kommenden drei Jahren jeweils zum Ende der Freibadsaison auf- und zu Beginn der Saison wieder abgebaut werden.