Berlin - Während Berliner Politiker über künftige Erweiterungen des U-Bahn-Netzes diskutieren, geht der Ausbau des Straßenbahnnetzes nur langsam voran. Auf Anfrage des Linke-Verkehrspolitikers Kristian Ronneburg gab der Senat an diesem Donnerstag im Ausschuss für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz des Abgeordnetenhauses den aktuellen Stand bekannt. Danach geht bis zur Wahl im kommenden September keine einzige Neubaustrecke in Betrieb. „Wir müssen uns von dem Mythos verabschieden, dass wir neue Straßenbahnstrecken in drei bis fünf Jahren planen und bauen können“, sagte Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne). Inzwischen gewonnene Erfahrungen zeigten: Solche Projekte dauerten „acht Jahre plus“.

Am weitesten gediehen ist die neue Verbindung zwischen der Wissenschaftsstadt Adlershof und dem Bahnhof Schöneweide. Die technische Abnahme der 2,6 Kilometer langen Strecke, an der seit dem vergangenen Frühjahr gebaut wird, soll im dritten Quartal 2021 erfolgen, sagte die Senatorin. Die Streckeneröffnung ist dann für den 31. Oktober 2021 vorgesehen – rund einen Monat nach der Wahl zum Abgeordnetenhaus. „Aber auch dieser Terminplan ist ambitioniert“, warnte die Grünen-Politikerin. Es sei nicht ausgeschlossen, dass sich noch eine Verzögerung ergibt. Auf der Neubaustrecke Adlershof II werden Straßenbahnen der Linien M17, 61 und 63 verkehren.

Simulation: Senatsverwaltung für Umwelt Verkehr und Klimaschutz
So soll die Straßenbahnstrecke in Adlershof aussehen. Im Mai 2020 hat der Bau begonnen.

Mit einigem Abstand folgt die Weiterführung der Trasse nach Moabit. Für die 2,2 Kilometer lange Strecke vom Hauptbahnhof zum U-Bahnhof Turmstraße sollen die Bauarbeiten im vierten Quartal 2021 beginnen. Die Inbetriebnahme ist für das erste Quartal 2023 geplant, sagte Regine Günther. Längere Zeit hieß es, dass die M10 erstmals 2020 zum U-Bahnhof Turmstraße fahren könnte. Doch das Projekt verzögerte sich schon im Anfangsstadium. Jüngster Grund war ein „mangelhaftes Lärmgutachten des Vorhabenträgers, der BVG“, so die Senatorin. Die Unterlagen mussten erneut ausgelegt werden. Seit dem vergangenen Jahr liegt der Planfeststellungsbeschluss vor. Nun arbeite die BVG „mit Hochdruck“ daran, die Bauleistungen zu vergeben, so Günther.

Ende 2023 soll die Tram zum Ostkreuz fahren

Noch länger zieht sich das Straßenbahnprojekt am Ostkreuz in Friedrichshain hin, die geplante 1,8 Kilometer lange Trasse zwischen dem Wühlischplatz und der Marktstraße. „Auch hier gab es ein mangelhaftes Lärmgutachten“, sagte die Senatorin im Ausschuss. Im Januar 2021 gab die Verwaltung bekannt, dass die bereits vor drei Jahren erstmals veröffentlichten Planfeststellungsunterlagen erneut öffentlich ausgelegt werden müssen. Deren Prüfung habe ergeben, dass deutlich mehr Anwohner betroffen sind, als im bisherigen Schallschutzgutachten zugrunde gelegt wurde.

Im Kiez stößt das Projekt auf Kritik – nicht nur, weil Lärm und Erschütterungen befürchtet werden, sondern auch, weil über hundert Parkplätze wegfallen. Das Nachsehen haben die Fahrgäste, die zum stark genutzten Bahnhof Ostkreuz wollen. Umsteiger müssen weiterhin Fußwege in Kauf nehmen. Ursprünglich sollte die Neubautrasse schon 2016 fertig werden. Nun rechnet der Senat mit einer „voraussichtlichen Inbetriebnahme Ende 2023“, teilte Kristian Ronneburg nach einer Rücksprache mit Verkehrs-Staatssekretär Ingmar Streese (Grüne) am Donnerstag mit.

2026 auf neuen Gleisen zum Bahnhof Mahlsdorf

Für das vierte Vorhaben, die neue Streckenführung der Straßenbahn in Mahlsdorf, soll das Planfeststellungsverfahren 2022 beginnen, sagte Senatorin Günther am Donnerstag im Verkehrsausschuss. „Eine Inbetriebnahme ist 2026 möglich.“ In dem Ortsteil des Bezirks Marzahn-Hellersdorf waren bisherige Pläne für die Trasse vom Hultschiner Damm/Rahnsdorfer Straße zum Bahnhof Mahlsdorf auf Ablehnung gestoßen – vor allem, weil eine Beeinträchtigung des Autoverkehrs befürchtet wurde. Nach langem Streit wurde eine Lösung präsentiert, die eine zweigleisige Straßenbahntrasse in der Hönower Straße und den Ausbau der Straße An der Schule vorsieht. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben die Planung ausgeschrieben. Die Neubaustrecke für die Linie 62 wird 1,9 Kilometer lang.

Klar ist: Die Planer liegen weit hinter der Vorgabe in der 2016 geschlossenen Koalitionsvereinbarung von Rot-Rot-Grün zurück. Darin hieß es, dass die Projekte in Adlershof, zur Turmstraße und zum Ostkreuz „mit dem Ziel der Inbetriebnahme in dieser Legislaturperiode weiterverfolgt“ werden, ebenso der Ausbau zum S-Bahnhof Mahlsdorf. Die Legislaturperiode endet im September 2021.