Berlin - Es ist ein großes Jubiläum: Vor 150 Jahren, am 17. Juli 1871, wurden die ersten zwei Drittel der Berliner Ringbahn eröffnet. Doch wie andere Dinge in Berlin gibt es in dieser Stadt nicht nur eine Rundstrecke, sondern gleich zwei. Der Berliner Außenring, der den Westteil der Stadt umkreist, wird in diesem Jahr 65 Jahre alt. Nun fordert ein Politiker, diese Strecke deutlich zu erweitern. Die Ringbahn braucht eine „größere Schwester“, so der Grünen-Bundestagsabgeordnete Stefan Gelbhaar zur Berliner Zeitung. „Denkbar ist eine neue Gürtelbahn, die im Sinne eines weiter gefassten Berlin-Brandenburger Außenringes die Gebiete der Metropolregion im Osten Brandenburgs einbindet.“ Berlin, Brandenburg und der Bund müssten ein Projekt auf dem Weg bringen, in dem die Erweiterung des Berliner Außenrings nach Osten vorbereitet wird, verlangte der Pankower. Ringbahn 3.0, so könnte man Gelbhaars Initiative bezeichnen.

37 Kilometer misst die Berliner Ringbahn, die über Ostkreuz und Westkreuz eine Runde Berlin in 60 Minuten ermöglicht. Anfangs aus militärischen Erwägungen und zur Erleichterung des Güterverkehrs geplant, ist sie heute eine der wichtigsten S-Bahn-Trassen in der Stadt. Beim Baubeginn des Berliner Außenrings, kurz BAR, spielten ähnliche Interessen eine Rolle. Zu DDR-Zeiten kam ein weiterer Grund dazu: Der Ring wurde gebraucht, um West-Berlin umfahren zu können. Reisende und Güter sollten Berlin, Hauptstadt der DDR, erreichen, ohne fremdes Gebiet zu berühren. Am 30. September 1956 war die 125 Kilometer lange Strecke rund um die Westbezirke komplett.

Auch in Springpfuhl und Spindlersfeld sollen Regionalzüge halten

Anfangs führte die erste Berliner Ringbahn durch Felder und Wiesen, die Stadt Berlin lag weit entfernt. Doch die neue Verbindung förderte die Entwicklung der Gebiete, durch die sie führte. Schon bald wuchs die Bebauung an die Strecke heran – und dann darüber hinaus. Die Eröffnung der Strecke war nicht nur weitsichtig und zukunftsorientiert, so Stefan Gelbhaar. „Sie hat dem boomenden Berlin enormen Rückenwind verschafft, und das hält an bis heute. Die Idee hinter der Ringbahn ist aktueller denn je: Verkehrsströme weit außerhalb der Stadt zu gestalten, lenken und zu verteilen.“

Die weitsichtigen Erwägungen von damals ließen sich auf heute übertragen, so der Grünen-Politiker. Das damalige Außen sei heute innen, sagte er. „Die Metropolregion wächst stetig weiter. Wohnen im Speckgürtel, arbeiten in der Hauptstadt: Die Folge dieser Entwicklung ist, dass sämtliche Außenstrecken, ob Straße, ob Schiene, stark nachgefragt und ständig überlastet sind.“

Um mit der Entwicklung langfristig Schritt halten zu können, müsse über einen weiteren Bahngürtel nachgedacht werden, forderte Gelbhaar. „Eine Tangentiale Verbindung Brandenburg, mit der Bernau, Strausberg, Erkner, Königs Wusterhausen, Zossen und Ludwigsfelde an den Berliner Außenring angeschlossen werden. Ein neuer Bogen, der sich an den westlichen Teil des Berliner Außenrings anschließt.“

Der Ausbau des östlichen Teils des Berliner Außenrings auf Berliner Stadtgebiet für den Schienenpersonennahverkehr sei ein erster wichtiger Schritt, bekräftigte der Berliner Politiker. „Der Senat hat bereits begonnen, wie im Koalitionsvertrag verankert, die Nahverkehrstangente zu prüfen.“ Die NVT könnte neue Direktverbindungen etwa zwischen Oranienburg und dem Flughafen BER eröffnen, mit Zwischenstopps unter anderem in Hohenschönhausen, Springpfuhl und Spindlersfeld. Zu dem Zukunftsplan gehört auch ein Turmbahnhof am Karower Kreuz – dort könnten die Reisenden in Richtung Gesundbrunnen und Bernau umsteigen. Dazu gebe es bereits „vertiefte Planungen“, so Gelbhaar. „Das gilt es weiterzuentwickeln und zusammenzuführen, um die zunehmenden Pendler- und Passagierströme aus den umliegenden Landkreisen Barnim, Märkisch Oderland, Oder-Spree und Dahme-Spreewald integrieren zu können.“

Sieben neue Stationen am Außenring geplant

Für den Außenring seien weitere Projekte in Planung, teilte der Parlamentarische Staatssekretär Enak Ferlemann (CDU) auf eine Anfrage von Gelbhaar und anderen Grünen-Abgeordneten hin mit. So sollen zusätzlich zu den bereits bestehenden 15 Verkehrsstationen, für die DB Station & Service zuständig ist, sieben weitere Bahnhöfe an der Strecke entstehen. Außer dem Turmbahnhof Karower Kreuz handele es sich um Bucher Straße, Malchow Nord, Pankow Park, Schönerlinder Straße, Sellheimbrücke und um den Turmbahnhof Glasower Damm südlich von Berlin, listete Ferlemann auf. Die Inbetriebnahme der neuen Stationen sei für die Zeit nach 2030 avisiert.

Dagegen sollen in Potsdam-Pirschheide, dem früheren Potsdamer Hauptbahnhof, die 1999 geschlossenen Bahnsteige am Außenring bereits bis Ende 2023 wiederhergestellt werden, teilte der Politiker aus dem Bundesverkehrsministerium weiter mit. Die jetzigen Außenringbahnhöfe Genshagener Heide und Satzkorn könnten mittelfristig wiederbelebt werden, wenn das Land Brandenburg oder der Verkehrsverbund VBB dort Regionalzughalte bestellen.

Allerdings gibt es am östlichen Außenring, der an Biesdorf vorbeiführt, wie berichtet ein Problem. Anlass ist, dass die Senatsverkehrsverwaltung dicht neben den Gleisen den Bau einer Straße plant. Die Tangentialverbindung Ost, kurz TVO, soll zwischen Marzahn und Köpenick eine Lücke schließen. Doch südlich des Biesdorfer Kreuzes kommt die Straße der geplanten Nahverkehrstangente in die Quere. Folge ist, dass zwischen den Querungen der U-Bahn-Linie U5 und der S-Bahn-Linie S3 ein Trassentausch erforderlich wird, wie Ferlemann bekräftigte. Die Außenringgleise müssten westlich neu gebaut werden, zwischen den Kilometern 30,2 und 27,1 würde die Strecke verschoben. Wo die Schienen heute verlaufen, könnte künftig die Nahverkehrstangente verlaufen. 

Neue Straße käme der geplanten Bahnstrecke in die Quere

Auch im Bereich Wuhlheide-Spreequerung bestünde „Abstimmungsbedarf aufgrund der Trassenführung der TVO, die hier in die Trasse der NVT rückt“, berichtete der Parlamentarische Staatssekretär. Der Senat habe bei der Bahn eine Trassierungsstudie in Auftrag gegeben, so Ferlemann. Es sieht offenbar so aus, als ob am Berliner Außenring im Osten der Stadt Bauarbeiten erforderlich werden.