Damit hatten die Wissenschaftler nicht gerechnet. Sie sind zwar davon ausgegangen, dass die Geburt des ersten Kindes ein großer Einschnitt für Erstlingseltern ist. Dass der Übergang zum Elternsein aber als so einschneidend wahrgenommen wird, hat eine amerikanische Soziologin und einen finnischen Demographen überrascht.

Warum ist für viele Eltern nach dem ersten Kind Schluss?

Ausgehend von der Annahme, dass die Erfahrung mit dem ersten Kind die weitere Familienplanung beeinflusst, haben die Wissenschaftler Rachel Margolis und Mikko Myrskylä riesige Datensätze aus Deutschland ausgewertet. Untersucht werden sollte das elterliche Wohlbefinden. Beeinflusst das Elternglück nach dem ersten Kind die Entscheidung für ein weiteres Kind? Konkret: Warum bekommen manche Frauen nach dem ersten Kind ein oder mehrere weitere Kinder? Und warum ist für andere Frauen nach dem ersten Kind Schluss mit der Familienplanung?

Die Ergebnisse der Studie

Paare, die den Übergang in die erste Elternschaft als positiv (oder positiver als vorher angenommen) wahrnehmen, bekommen eher weitere Kinder. Paare, die den Übergang als sehr kompliziert (oder komplizierter als vorher angenommen) empfinden, bekommen eher kein zweites Kind. Wirklich überraschend ist das Ergebnis, wie rapide das Glück frisch gebackener Eltern abnimmt.

Die Gründe gegen ein zweites Kind

Die Wissenschaftler haben die Gründe gegen ein zweites Kind in drei Kategorien zusammengefasst. Aus medizinischen Gründen entscheiden sich Frauen, die die Schwangerschaft und die Folgen der Geburt als sehr schmerzhaft und unangenehm empfunden haben, gegen weitere Kinder. Auch eine komplizierte Geburt, wie zum Beispiel ein schwieriger Kaiserschnitt, führt eher zur Einstellung, „dass nicht noch einmal zu erleben“.

Wichtig! Wie war das erste Jahr?

Am entscheidendsten sind aber die psychosozialen Erfahrungen im ersten Jahr mit einem Baby. Verläuft diese Umstellung sehr schwierig, entscheiden sich Eltern ziemlich schnell gegen ein zweites Kind. Als sehr einschneidend werden vor allem Stillprobleme, Schlafmangel, Depression, Isolierung und Partnerschaftsprobleme wahrgenommen. Das Ergebnis zeigt, wie wichtig (und bislang unterschätzt) die psychosozialen Erfahrungen nach der Geburt sind.

Kinder machen nicht glücklich

Die großangelegte Studie greift auf Daten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zurück. Dieses befragt jährlich 11.000 Haushalte und mehr als 20.000 Personen, wie zufrieden sie sind. Eine große Datensammlung, perfekt für das internationale Wissenschafts-Duo. Denn bislang hat sich keine Studie dem Wohlbefinden von Eltern als Entscheidungskriterium für weitere Kinder gewidmet.

Schlimmer als Arbeitslosigkeit und Scheidung

Und das Wohlbefinden nimmt mit der Geburt des ersten Kindes rapide ab. Die von Demographen und Soziologen definierte Glücks-Skala (happiness scale) nimmt bei Neu-Eltern um 1,4 Einheiten ab. Andere internationale Studien, die mit der gleichen Glücks-Skala arbeiten, haben ergeben, dass sich Arbeitslosigkeit, Scheidung und sogar der Tod des Partner mit weniger als einer Glückeinheit auswirken. Das heißt, es gibt fast nichts, was sich verheerender auf das Wohlbefinden auswirkt, als ein Baby.

Ältere Paare leiden mehr

Die Einschränkung, die die Geburt eines Kindes mit sich bringt, wird als unterschiedlich belastend wahrgenommen. Vor allem ältere Paare und solche mit höherer Bildung, entscheiden sich gegen ein zweites Kind. Auch Frauen geben eher als Männer den Ausschlag, kein weiteres Kind zu bekommen.

Glückliche Eltern, viele Kinder

Das Ergebnis der Studie „Parental well – being surrounding first birth and further parity progression“ sollte auch die Familienpolitiker aufhorchen lassen. Seit Jahren versuchen diese vergeblich mit Maßnahmen wie Kita-Ausbau und Elterngeld, die Geburtenrate zu erhöhen. Anscheinend geht es nicht um Vereinbarkeit, sondern um individuelle Belastbarkeit bei, zum Beispiel, durchwachten Nächten. Die Wissenschaftler ermuntern jedenfalls, genauer auf die Gründe gegen Familienzuwachs zu schauen, denn – der Studie zufolge – liegt im Wohlbefinden der Eltern der Schlüssel zu einer höheren Geburtenrate.