Neue U-Bahn-Generation Berlin: Die U-Bahn bekommt einen Bauch

Der U-Bahn-Wagen sieht täuschend echt aus. Gelb lackiert, mit Schwenktüren, ziemlich harten Sitzen und einer hellen LED-Beleuchtung. Doch die Konstruktion besteht nicht aus Metall, sondern aus Holz. Sie stammt auch nicht aus einer Waggonfabrik, sondern aus dem Filmstudio Babelsberg, wo sie für einen sechsstelligen Betrag gebaut worden ist. Am Dienstag präsentierten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und der Fahrzeughersteller Stadler das lebensgroße Modell der neuen U-Bahn-Generation.

Für U-Bahn-Chef Hans-Christian Kaiser ist die räderlose Holzattrappe der sichtbare Beweis, dass es endlich vorangeht mit der Modernisierung der Wagenflotte: „Von allen Nahverkehrsfahrzeugen in Berlin haben die U-Bahnen das höchste Durchschnittsalter: 24 Jahre. Es gibt dringenden Erneuerungsbedarf.“

Harte Sitze, keine Klimaanlage

Jüngst musste die BVG mehr als vier Jahrzehnte alte Züge noch fit machen. An ihnen hätten nicht mal die Nordkoreaner, die schon Berliner U-Bahnen besitzen, noch Interesse, hieß es. So erinnert sich Kaiser gern an den 21. Juni 2012, als der Aufsichtsrat beschloss, U-Bahnen für die U 1 bis U 4 zu kaufen – Strecken, die wegen ihres schmalen Querschnitts Kleinprofillinien heißen.

Stadler hat den 158-Millionen-Euro-Auftrag bekommen. „Die Baureihe IK wird in Berlin hergestellt – entweder in Pankow oder in Hohenschönhausen. Das sichert viele der rund tausend Arbeitsplätze“, sagte Projektleiter Matthias Jost.

Anfang 2015 beginnt der Testbetrieb für die ersten beiden Züge mit vier Wagen. Für 2017 und 2018 sind die Serienfahrzeuge angekündigt – insgesamt 24 Züge. Einiges ist anders als bei heutigen U-Bahnen. So bestehen die Sitze aus Kunststoffmulden, auf die Stoffstücke geklebt worden sind. Minimalkomfort, aber ergonomisch, sagte Designer Nils Krüger von Designbüro Büro+Staubach. „Diese Sitze haben bei einer Abstimmung unter BVG-Fahrgästen den größten Zuspruch gefunden“, erklärte Kaiser.

Neu ist auch die beidseitige Wölbung, die alle Fahrzeuge zehn Zentimeter breiter macht – „Bauch“ oder „Bombierung“ genannt. „Noch nie gab es eine Kleinprofil-U-Bahn, die innen so groß ist“, sagte Krüger. Es gibt auch acht feste Sitzplätze mehr als in bisherigen Zügen, nun sind es 72. Schwerer ist die neue U-Bahn allerdings auch. Ein Zug mit acht Wagen wiegt vier bis fünf Tonnen mehr. Neue Crashtest-Normen erfordern stabilere Konstruktionen.

Eine Klimatisierung gibt es im Fahrgastraum weiterhin nicht. „Sie würde den Energieverbrauch um 18 Prozent erhöhen“, sagte Kaiser. Und die alte Regel gilt fort: mit dem Fahrrad nicht in den ersten Wagen!