Der neue U-Bahnhof Rotes Rathaus ist etwas Besonderes: Er ist der einzige, der in der historischen Mitte Berlins steht, direkt vor dem Roten Rathaus. Und die Fahrgäste, die hier ab 2020 ein- und aussteigen sollen, werden schon auf den Bahnsteigen einen Einblick in die jüngste Geschichte der Berliner Archäologie erhalten. „Die Gegenstände, die wir bei archäologischen Grabungen in der historischen Mitte gefunden haben, wollen wir in Vitrinen auf dem Bahnhof zeigen, zum Beispiel Vasen und Töpfe“, sagt Senatsbaudirektorin Regula Lüscher.

Damit verrät sie Überlegungen, die bei der Feier des Richtfests am Mittwoch mit Prominenz und einem Tag der offenen Baustelle eigentlich noch nicht bekannt werden sollten: Der Bahnhof Rotes Rathaus wird ein Archäologie-Bahnhof.

Die Vitrinen sollen in die Wandverkleidung der beiden Bahnsteige eingelassen sein. Archäologie statt Werbung, lautet das Motto. Darüber laufen aber noch Gespräche mit den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG). Verhandelt wird auch, ob mit großen Beamern historische Fotos oder Ansichten der Berliner Altstadt an die Bahnsteigwände geworfen werden können.

Das kann sich Berlins Landesarchäologe Matthias Wemhoff sehr gut vorstellen. Er dringt aber darauf, dass die historischen Keller des alten Berliner Rathauses als archäologisches Fenster fertiggestellt werden, bis die Strecke für die neue U-Bahn über den Alexanderplatz hinaus bis zum Hauptbahnhof in Betrieb geht. „Die Planung muss jetzt forciert werden.“

Drei neue Bahnhöfe entstehen

An dem Lückenschluss der U-Bahn zwischen Rotem Rathaus und Brandenburger Tor wird derzeit noch gearbeitet. 2,2 Kilometer ist die Strecke lang, drei neue Bahnhöfe entstehen. 525 Millionen Euro werden in den gigantischen unterirdischen Bau investiert. Nun steht der erste Bahnhof im Rohbau. 120 Meter ist die Station lang, die Betondecke ruht auf sieben Pfeilern, die die Architekten des Büros Collignon wie Pilzköpfe geformt haben.

BVG-Chefin Sigrid Nikutta allerdings hätte eine Wette verloren, denn sie hat nicht geglaubt, dass die Stützen  jemals in Beton gegossen werden können.  Es sei schwierig gewesen, sagt sie. „Aber es sieht richtig gut aus.“ Findet auch der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD), der von seinem Rathausbalkon oft in die Baustelle sehen konnte. Und daher weiß: „So ein wichtiger Bau für Berlin braucht auch geduldige Anwohner.“ Auch er hofft, dass die historischen Spuren des Rathauses bald sichtbar sind.

„Politischer Preis“

Die sind mit vielen Tonnen Sand zwischen Rathaus und Bahnhof zugeschüttet. Archäologen hatten dort die Kellergewölbe des mittelalterlichen Rathauses aus dem 13. Jahrhundert gefunden. Die Keller sollen zum archäologischen Fenster ausgebaut werden, vom Rathaus aus wird der Raum begehbar sein. Im U-Bahnhof wird ein Panoramafenster eingebaut, sodass die Fahrgäste die Mauern sehen können. Die insgesamt eingeplanten acht Millionen Euro seien ein politischer Preis gewesen, sagt Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD). Die tatsächlichen Kosten liegen wegen der komplizierten Statik bei 14,8 Millionen Euro. Deshalb wird an dem archäologischen Fenster  vorerst nicht gearbeitet. „Der U-Bahnbau hat eindeutig Priorität“, sagt Geisel.