Neue Umfrage: Berliner befürworten Wohnungsbau in ihrer Nähe

Eine deutliche Mehrheit der Berliner steht dem Bau neuer Wohnungen positiv gegenüber. Zwar fällt die Zustimmung etwas geringer aus, wenn die Neubauten in der direkten Nachbarschaft entstehen, doch selbst dann gibt es immer noch eine gute Zweidrittel-Mehrheit für den Wohnungsbau.

Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Info GmbH im Auftrag der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Stadt und Land. „Das Klima für Neubau in der Stadt ist positiv“, sagte Stadt und Land-Geschäftsführer Ingo Malter am Mittwoch. „Die große Mehrheit der Berliner hat erkannt, dass es ohne zusätzlichen Wohnraum nicht geht.“

Für die repräsentative Umfrage wurden 1220 Berliner im Juni dieses Jahres befragt.

Hohe Akzeptanz in Lichtenberg

Die oft gehörte Einschätzung, dass die Berliner nur dann für den Neubau sind, wenn er nicht vor ihrer Haustür geplant ist, wird mit der Umfrage deutlich in Zweifel gezogen. Die Akzeptanz für den Neubau ist in den Bezirken Mitte und Lichtenberg besonders hoch. In Lichtenberg, der Heimat von Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD), erklären sogar 77 Prozent der Befragten, dass sie den Neubau auch dann akzeptieren, wenn er in ihrer unmittelbaren Nähe geplant ist – der Berliner Spitzenwert.

Auffällig: Zwischen der Zustimmung zum Neubau im Allgemeinen und der Ablehnung des Neubaus in der Nähe zur eigenen Wohnung klafft in Spandau eine besonders große Lücke. 74 Prozent der Havelstädter sagen zwar, dass der Neubau generell gut ist. Aber für nur noch 52 Prozent von ihnen wäre es in Ordnung, wenn die Wohnungen in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft entstehen.

In Mitte, Reinickendorf und Spandau wollen besonders viele umziehen

In Treptow-Köpenick ist der Anteil der Befragten, die den Wohnungsbau in der Nachbarschaft akzeptieren, dagegen fast genauso hoch wie der Anteil der Befragten, die im Allgemeinen Ja zum Neubau sagen. Eine große Mehrheit von 86 Prozent ist der Befragung zufolge zufrieden mit der jetzigen Wohnsituation.

Neun Prozent wollen möglichst schnell umziehen, weitere 22 Prozent planen einen Umzug in absehbarer Zeit. Bei den 18- bis 29-Jährigen will fast jeder zweite in eine andere Wohnung ziehen. In Mitte, Reinickendorf und Spandau ist der Wunsch umzuziehen besonders groß. Immerhin: Jeder zweite Berliner kann sich vorstellen, aus seiner jetzigen Wohnung in eine Neubauwohnung umzuziehen. Unter den Befragten, die eine konkrete Umzugsabsicht äußern, sind es sogar 74 Prozent. Der Neubau spielt also bei den Umzugsüberlegungen eine starke Rolle.

Ein Drittel Sozialwohnungen

Entscheidend bei der Wahl für eine Neubauwohnung ist laut der Befragung in erster Linie der Preis. Danach folgen als weitere Kriterien die Wohnlage und die Erreichbarkeit. „Die Berliner wollen, dass neue Mietwohnungen gebaut werden, wenn der Preis stimmt“, sagte Stadt und Land-Geschäftsführerin Anne Keilholz.

Die Höhe des Mietpreises, den die Berliner für akzeptabel halten, wurde bei der Umfrage allerdings nicht abgefragt. Klar ist jedoch, was die Stadt und Land liefert. Sie errichtet 30 Prozent der neuen Wohnungen mit Fördermitteln zu Mieten von derzeit 6,50 Euro je Quadratmeter kalt. Bei diesen Unterkünften handelt es sich um Sozialwohnungen für Inhaber eines Wohnberechtigungsscheins.

Die anderen Wohnungen sind teurer. Am Bruno-Bürgel-Weg in Treptow-Köpenick kosten die nicht geförderten Wohnungen 8,50 bis zirka 11,50 Euro je Quadratmeter kalt. In den kommenden Jahren will die Stadt und Land von derzeit rund 42 500 auf 55 000 Wohnungen wachsen – durch Ankauf und Neubau. Mieter mit bestehenden Verträgen zahlten bei der Stadt und Land im Jahr 2015 eine Kaltmiete von 5,49 Euro je Quadratmeter, die Neuvertragsmiete belief sich im Schnitt auf 6,24 Euro.