Eigentlich ist alles klar. Alle bisherigen Untersuchungen sprechen für dieses Verkehrsprojekt im Berliner Norden, und seit 2011 gibt es auch schon eine Genehmigung. Die Kosten hielten sich in Grenzen. Viele Menschen würden profitieren, wenn die Strecke wieder aufgebaut würde.

Brandenburger kämen zügiger nach Berlin, Berliner bequemer nach Wandlitz oder in die Schorfheide – und das Märkische Viertel hätte Bahnanschluss. Dennoch kommt das Projekt, die Heidekrautbahn in Pankow zu einer neuen Umlandverbindung auszubauen, kaum voran. Jetzt plant Detlef Bröcker, Chef der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB), einen neuen Anlauf.

Der Mann hat Durchhaltevermögen. „Wir bleiben dran“, sagt Bröcker. Er kündigt neue Gespräche mit der Senatsverwaltung an, damit in Zukunft wieder Züge von Gesundbrunnen über Wilhelmsruh nach Basdorf und Groß Schönebeck fahren können. Die Strecke führt nicht nur zum Märkischen Viertel mit seinen 40.000 Einwohnern und in den besiedelten Speckgürtel. Sie erschließt auch ein Ausflugsparadies, das weitere Fahrgastnachfrage garantiert. Wandlitz- und Liepnitzsee laden zum Baden ein. Und in der Schorfheide, nach deren lila blühender Erika die Bahnlinie benannt wurde, lässt es sich gut wandern.

Heute fahren die NEB-Züge in Karow ab, weit von der Innenstadt entfernt. Würden sie im zentrumsnahen Bahnhof Gesundbrunnen beginnen, würde die Reise bequemer und kürzer, verspricht Bröcker.

Genehmigung gilt bis 2021

Schon seit den 90er-Jahren wird geplant, geprüft, debattiert. Doch Berlin und Brandenburg halten sich zurück, wenn es um die Wiederinbetriebnahme der Strecke geht, die wegen des Mauerbaus 1961 schrittweise ihren Personenverkehr verlor. So wissen die Brandenburger nicht, wie viel Geld ihnen der Bund in den nächsten Jahren überweist, damit sie Regionalzugfahrten bezahlen können. Die Lage sei unklar, heißt es. Detlef Bröcker sieht das anders.

Ausgerechnet eine negative Entscheidung des Bundes trägt dazu bei, dass die NEB die Situation jetzt positiver einschätzt. Er hat das Projekt, die Nordbahn zwischen Gesundbrunnen, Wilhelmsruh und Hohen Neuendorf für den Fernverkehr wieder aufzubauen, aus seinem Bedarfsplan gestrichen. Im Entwurf des Bundesverkehrswegeplans, der jüngst vorgestellt wurde, kommt es nicht mehr vor. Die Nordbahn sollte auch von den Zügen der Heidekrautbahn genutzt werden.

Eine ungünstige Entscheidung? Das Gegenteil ist der Fall, sagt Bröcker. „Denn nun gibt es die Möglichkeit, diesen Abschnitt weniger aufwendig zu planen.“ Bislang sollte die Nordbahn elektrifiziert und für hohes Tempo ausgebaut werden. Das hätte den Bau verteuert – und die Chance, dass er in den nächsten Jahren beginnt, verringert. „Jetzt ist der Weg zu einem einfachen Ausbau frei“, so der NEB-Chef. Für die Dieseltriebwagen, die anfangs im Stundentakt fahren sollen, reiche auch auf diesem Abschnitt ein Gleis. „Weder müsste der Damm verbreitert noch die S-Bahn verlegt werden.“

Ohnehin hielte sich der Bau-Aufwand im Rahmen. Es geht unter anderem um eine Rampe am Bahnhof Wilhelmsruh, eine Weiche und 1,1 Kilometer Gleis auf der Nordbahntrasse. Falls selbst das auf Probleme stößt, hält Detlef Bröcker eine Mini-Minimalvariante bereit: „Dann würden die Züge erst mal in Wilhelmsruh enden, wo es Anschluss an die S 1 gibt.“ Es wäre ein Provisorium. Hauptsache, die Strecke geht wieder in den Betrieb. In diesem Fall müsste der Planfeststellungsbeschluss von 2011, der eine Rampe vorsieht, angepasst werden.

Immerhin: Anders als befürchtet gilt die Genehmigung für den Neubau des Bahnhofs Wilhelmsruh noch einige Jahre. „Bis Ende März 2021“, sagt Bröcker. Er gibt sein Projekt in Pankow noch nicht verloren.