Lange hat das Provisorium gehalten, aber jetzt sind seine Tage gezählt: Die bisherige Umfahrung der Schweizer Botschaft im Parlaments- und Regierungsviertel soll ab nächstem Jahr zurückgebaut werden. Die Straße weicht der Vollendung des Spreebogenparks.

Der Baubeginn ist nach Angaben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung für den Herbst 2018 geplant. Mitte 2019 soll alles fertig sein. Die gravierendste Änderung kommt dabei auf die Autofahrer zu. Denn mit dem Rückbau der Straße an der eidgenössischen Vertretung ändert sich die bisherige Verkehrsführung.

11.500 Kraftfahrzeuge an Werktagen

Künftig werden die Fahrzeuge auf dem Weg von der Heinrich-von-Gagern-Straße Richtung Alt-Moabit nicht mehr an der Schweizer Botschaft entlang fahren und über die Willy-Brandt-Straße zur Moltkebrücke rollen.

Stattdessen werden sie nach der Überquerung des Forums zwischen Kanzleramt und Paul-Löbe-Haus im großen Bogen über die Konrad-Adenauer-Straße und die Kronprinzenbrücke bis zum Kapelle-Ufer fahren – von wo sie zur Straße Alt-Moabit gelangen. Bisher sind auf der Umfahrung der Botschaft an Werktagen rund 11.500 Kraftfahrzeuge unterwegs.

Schweizer Planer

Zur Vollendung des Spreebogenparks nach Plänen des Schweizer Büros Weber und Sauer sollen Bäume und Sträucher gepflanzt werden, außerdem sind Rasenflächen geplant. Hinzu kommen Leuchten, Bänke und Abfalleimer. Die Kosten belaufen sich nach Angaben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung auf rund 950.000 Euro.

Sie werden zu etwa einem Drittel vom Land Berlin und zu zwei Dritteln vom Bund getragen. Die Willy-Brandt-Straße wird an der Seite zur Moltkebrücke verengt. In der Straße sollen zwei bis drei Stellplätze für Busse und Lastwagen sowie zehn Parkplätze für Autos ausgewiesen werden.

Fahrstreifen, Radwege und Fußgängerwege

Die Straßen am Bundeskanzleramt und an der Schweizer Botschaft werden nur für Autos offen sein, die dorthin wollen oder von dort weg wollen, also für den sogenannten Ziel- und Quellverkehr. Fahrradfahrer dürfen jedoch passieren.

Die Straße, die über das Forum zwischen Kanzleramt und Paul-Löbe-Haus führt, soll nach Angaben der Stadtentwicklungsbehörde eine Breite von 17,50 Meter haben. Dazu gehören zwei Fahrstreifen, zwei Radwege und zwei Fußgängerwege.

Relikt vergangener Tage

Die Umfahrung der Schweizer Botschaft ist ein Relikt aus der Zeit, als der Autotunnel unterm Tiergarten (1995 bis 2006) errichtet wurde. Der Durchgangsverkehr quälte sich damals oberirdisch durch den Spreebogen. Weil das Kanzleramt den Verkehr nicht direkt vor seinem Dienstsitz vorbeirollen lassen wollte, wurde die Umfahrung um die Schweizer Botschaft angelegt. Die Fahrzeuge blieben so auf Distanz zur Regierungszentrale.

Der Spreebogenpark konnte wegen der Umfahrung jedoch über Jahre nicht vollendet werden. Lange Zeit wurden sich Berlin und der Bund nicht einig über die Verkehrsführung. Vor vier Jahren machte Berlin dann den Kompromissvorschlag publik, der nun umgesetzt werden soll. Ursprüngliche Überlegungen hatten vorgesehen, den Durchgangsverkehr unter dem Vordach des Löbe-Hauses entlang zu führen. Dagegen hatte aber der Deutsche Bundestag protestiert, weil dort die Besucher des Parlaments ein- und aussteigen. Die Sraße unter dem Vordach des Löbe-Hauses bleibt für den Durchgangsverkehr gesperrt.