Berlin - Für Michael Müller (SPD), gestresst wegen des Chaos-Flughafens BER und der Debatten um seinen Parteivorsitz, ist es an diesem Donnerstagvormittag ein Termin der angenehmen Sorte. Der Senator für Stadtentwicklung soll am Spittelmarkt in Mitte nur einen kleinen Knopf in einem grauen Schaltkasten bedienen und so die neue Ampelanlage in Betrieb nehmen. „Kann ich dort drücken?“, fragt der Senator aber doch etwas unsicher. Ein Techniker nickt, Müller drückt, die Lichter der Ampel gehen an. Später wird noch ein Band durchgeschnitten, Verkehrskegel werden weggeräumt. Erledigt.

Mit dem unspektakulären Akt hat Müller eine der letzten Verkehrsverbindungen in der Innenstadt, die durch die Berliner Mauer mehrere Jahrzehnte unterbrochen waren, wieder für den Verkehr freigegeben. Die Axel-Springer-Straße wurde in den vergangenen 13 Monaten auf einem 300 Meter langen Abschnitt zwischen Schützenstraße und Spittelmarkt neu gebaut. Sie mündet dort in die Leipziger Straße und verbindet Kreuzberg und Mitte. Verkehrspolitisch wichtig sei das, sagt Müller. Denn bislang haben sich die Autofahrer Schleichwege durch die Wohngebiete gesucht, das ist jetzt überflüssig. Nach Prognosen der Stadtentwicklungsbehörde werden täglich etwa 39.000 Fahrzeuge die neue Verbindung nutzen.

Vertane Chance

Die Straße ist umstritten, die Grünen bezeichnen sie als eine der teuersten in Berlin. Denn die Kosten sind mit 11,4 Millionen Euro hoch. Müller spricht dennoch von „gut angelegtem Geld“. Denn außer der vierspurigen Straße seien auch Radfahrstreifen markiert, 64 Fahrradbügel installiert und 40 Ahornbäume gepflanzt worden. Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) kritisiert den Neubau. Wie Verkehrsreferent Martin Schlegel sagt, hätte ein zweispuriger Ausbau ausgereicht. Jetzt würden durch den zusätzlichen Verkehr die Grenzwerte für Lärm und Feinstaub überschritten. Mit einer Klage scheiterte der BUND sowie ein Anwohner im Februar 2011 vor dem Verwaltungsgericht. „Der Spittelmarkt wird eine große Verkehrskreuzung bleiben. Eine Chance wurde vertan, die historische Innenstadt zu rekonstruieren“, sagt Schlegel.

Mit der Axel-Springer-Straße besteht nun eine weitere Möglichkeit, das historische Stadtzentrum zu umfahren. „Das war wichtig, bevor die Sperrungen Unter den Linden und in der Friedrichstraße für den Bau der U-Bahnlinie 5 in Kraft treten“, sagt Müllers Sprecherin Daniela Augenstein. So ist die Friedrichstraße ab 13. Juli zwischen Behrenstraße und Unter den Linden ein Jahr für den Verkehr dicht, dort wird der neue U-Bahnhof Unter den Linden gebaut. Auf dem Boulevard wird deshalb die Südfahrbahn gesperrt. An der Schlossbrücke stehen bis 2016 nur zwei Fahrspuren zur Verfügung, dort entsteht der U-Bahnhof Museumsinsel.

Ärgerlich ist eine neue Baustelle in der Behrenstraße, die erst 2011 erneuert worden war. Zwischen Mauer- und Glinkastraße arbeitet Vattenfall an einem defekten Fernwärmeschacht. Laut Augenstein sollen die Arbeiten bis Ende Juni abgeschlossen sein. Derzeit ist die Behrenstraße zwischen Friedrich- und Ebertstraße nur Einbahnstraße.

Ohnehin sollten Autofahrer den Bereich rings um das Brandenburger Tor meiden. Die Straße des 17. Juni ist bis zum Großen Stern ab dem heutigen Freitag, 22 Uhr, bis Mitte Juli gesperrt. Ebenso die Ebertstraße zwischen Behren- und Scheidemannstraße. An diesem Wochenende endet dort die Fahrradsternfahrt, anschließend beginnt der Aufbau für die Fanmeile zur Fußball-EM. Im Juli findet zudem die Fashion Week statt.