Neue Züge, mehr Fahrten ab Sonntag: Wird der Fahrplanwechsel klappen?

Die Spannung steigt: Am 11. Dezember treten auf 17 Linien in Berlin und Brandenburg große Änderungen in Kraft. Der Verkehrsverbund schließt Probleme nicht aus.

Startklar für den Fahrplanwechsel: ein modernisierter Doppelstockwagen der Deutschen Bahn
Startklar für den Fahrplanwechsel: ein modernisierter Doppelstockwagen der Deutschen BahnBerliner Zeitung/Peter Neumann

So viel steht fest: Der dritte Advent und die darauffolgenden Tage werden spannend. Am 11. Dezember ist Fahrplanwechsel – und er beschert Berlin und Brandenburg die größten Änderungen im Regionalzugverkehr, die es hier jemals gegeben hat. Kann das klappen? „Ich bin in guter Erwartung“, sagt jedenfalls Thomas Dill, Chefplaner beim Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB). „Es sieht so aus, als ob fast alle Fahrzeuge da sind“, berichtete er am Montag. Doch wie viele Krankmeldungen es geben wird, lasse sich noch nicht sagen. Das Thema Personal werde die „große Herausforderung“ sein, gab Dill zu bedenken. „Ich bitte um Verständnis, wenn nicht jeder Zug fahren kann.“

Berlin und Brandenburg stünde die bisher größte Fahrplanausweitung bevor, kündigte Brandenburgs Infrastrukturminister Guido Beermann (CDU) an. „Selten gab es so viele spürbare Verbesserungen für die Menschen in der Hauptstadtregion auf einmal“, pflichtete Berlins Mobilitätssenatorin Bettina Jarasch (Grüne) am Montag bei.

Flughafen BER bald rund um die Uhr per Bahn erreichbar

Wie berichtet sind die Strecken in den Netzen Elbe-Spree und Lausitz neu vergeben worden. Allein im Netz Elbe-Spree, zu dem so wichtige Destinationen wie Berlin, Potsdam, Brandenburg an der Havel, Cottbus und Wittenberge gehören, wächst das Angebot um 30 Prozent. Geht man von der Zahl der Sitzplätze aus, die auf den 17 Linien angeboten werden, nehme es sogar um die Hälfte zu, berichtete Thomas Dill. Zu diesem Netz zählen stark frequentierte Linien wie die RE1, die RE2 sowie die Strecken zum BER. Mehr Fahrten gebe es nicht nur zum Beispiel von Berlin nach Nauen, Bad Belzig oder Frankfurt (Oder). Der Flughafen BER sei mit der RE8 rund um die Uhr erreichbar. Planungen, die vor zehn Jahren begonnen haben, tragen nun Früchte, so Dill. „Es war ein langer beschwerlicher Marsch. Doch wir sind zu einem guten Ergebnis gekommen.“

Ein Blick in die zweite Klasse des Siemens Desiro HC für die ODEG. Auf der Linie RE1 werden jeweils zwei Vierteiler zu Acht-Wagen-Verbänden gekuppelt. Die langen Züge verdichten den Verkehr auf einen 20-Minuten-Takt.
Ein Blick in die zweite Klasse des Siemens Desiro HC für die ODEG. Auf der Linie RE1 werden jeweils zwei Vierteiler zu Acht-Wagen-Verbänden gekuppelt. Die langen Züge verdichten den Verkehr auf einen 20-Minuten-Takt.Berliner Zeitung/Peter Neumann

Der 11. Dezember sei ein „ganz besonderes Datum, das wir uns in den Kalender schreiben können“, sagte Guido Beermann. Hoffentlich mit positiven Bemerkungen – das wünschen sich auch die VBB, die Deutsche Bahn (DB) und die Ostdeutsche Eisenbahn (ODEG). „Ich bin zuversichtlich, dass alles klappt“, sagte Carsten Moll von DB Regio, der am Sonntag wie viele andere auf Testfahrt gehen wird. Wenn man sich anschaue, wie in anderen Bundesländern nach Ausschreibungen Bahnverkehr neu begann, sei die Region Berlin-Brandenburg gut dran, berichtete Thomas Dill. So sei es bundesweit „nicht üblich“, dass zum Fahrplanwechsel ausreichend Fahrzeuge zur Verfügung stünden. „Es wird eine gute Betriebsaufnahme. Ich drücke die Daumen.“

Wobei es bei den angestrebten Flotten noch Lücken gibt. So sind die 145 roten Doppelstockwagen, die auf den DB-Linien eingesetzt werden sollen, noch nicht alle erneuert. „Bei 87 Wagen haben wir das bislang geschafft“, berichtete Moll. Corona und Materialknappheit haben die Modernisierung verzögert. Andere Doppelstockwagen füllen bis Sommer 2023 die Lücken. Bei den Neubauzügen vom Typ Siemens Mireo, die den Fahrgästen in der Lausitz mehr Komfort bescheren sollen, laufe die Abnahme noch.

Bei der ODEG seien drei der acht Dieseltriebwagen des Typs Alstom Lint54 noch nicht da, bestätigte Thomas Dill. Bis sie mit größerer Kapazität auf den Regionalbahnlinien RB33, 37 und 51 Beelitz, Premnitz sowie andere Orte anbinden, werden andere Züge eingesetzt. Die 29 Triebzüge vom Typ Siemens Desiro HC, die auf der RE1 bis zu 800 Sitzplätze pro Fahrt bieten werden, sind dagegen alle einsatzbereit, bekräftigte die ODEG.

Mehr Züge auf der Stadtbahn und im Potsdamer Hauptbahnhof

Wegen Fahrzeugproblemen sollen keine Fahrten ausfallen, versicherte Thomas Dill vom VBB. Ob dagegen das gesamte Fahr- und Zugbegleitpersonal wie geplant an Bord sein wird, werde sich zeigen. Gut möglich, dass es in diesem Bereich „nicht so rosarot“ wie erwartet aussehen werde, gestand der Planer am Montag ein. Die S-Bahn Berlin musste bereits ankündigen, dass wegen vermehrter Krankmeldungen auf den Linien S1, S3 und S5 das Angebot ausgedünnt wurde. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) geben mit Durchsagen auf U-Bahnhöfen bekannt, dass nicht das gesamte Angebot gefahren wird.

Es gibt noch andere Risikobereiche. So nimmt der Verkehr auf der ohnehin schon stark befahrenen Stadtbahn, die Berlins Innenstadt von Ost nach West durchzieht, weiter zu. Im Potsdamer Hauptbahnhof werden mehr Züge halten als bisher. Warteminuten, die Züge der Linie RE1 aus Richtung Brandenburg am Bahnsteig abstehen, sollen den Betrieb stabilisieren und verhindern, dass Verspätungen nicht verschleppt werden, sagte Dill.

Das Qualitätstester-Team wird am ersten Tag des neuen Fahrplans vielerorts im Netz unterwegs sein, um zu ermitteln, wie der Verkehr unter den neuen Bedingungen läuft. Thomas Dill: „Meist ist bei solchen Gelegenheiten nicht der Sonntag das Problem, sondern der Montag“ – der erste Tag mit Berufsverkehr. Dann werden mit den Pendlern sehr viele Tester unterwegs sein.