Berlin - Die Berliner müssen damit rechnen, dass die angekündigten neuen S-Bahn-Züge später kommen als erwartet. Davon geht der Senat nach Informationen des Berliner S-Bahn-Tisches aus.

Der Sprecher des Bündnisses, Rouzbeh Taheri, berief sich auf ein internes Papier der Verwaltung. „Danach bräuchte ein neuer Zugbetreiber sechs bis sieben Jahre, bis er über genug Wagen verfügt“, sagte er am gestrigen Montag. Senatskreise bestätigten, dass die Schätzung „nicht unrealistisch“ sei. Offiziell hieß es, dass die Lieferung nach fünf Jahren beginnen könne. Allerdings gebe es noch „Unsicherheiten“. Zudem werden wahrscheinlich nicht alle Fahrzeuge auf einmal geliefert.

Rund 400 fabrikneue Wagen sollen dazu beitragen, dass der S-Bahn-Verkehr stabiler und zuverlässiger funktioniert – so hat es der Senat geplant. „Doch die S-Bahn der Zukunft muss entworfen, gebaut und zugelassen werden. Das dauert“, gab Taheri zu bedenken. Der angepeilte Liefertermin Ende 2017 sei nicht mehr realistisch, sagte er.

Dies würde nicht nur bedeuten, dass sich die Fahrgäste länger als versprochen gedulden müssen. Es hieße auch, dass der Senat seinen jetzigen Vertrag mit der S-Bahn Berlin GmbH, der im Jahr 2017 endet, verlängern müsste – um ein oder zwei Jahre, vielleicht noch länger. Damit bliebe das in der Vergangenheit heftig kritisierte Tochterunternehmen der Deutschen Bahn (DB) weiterhin für den gesamten S-Bahn-Betrieb in Berlin und Brandenburg zuständig.

Konkurrenz für die DB

Ob dies noch für länger so bleibt, soll sich bald zeigen. Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) will „zeitnah“ über die Zukunft der S-Bahn entscheiden. Als wahrscheinlichste Option gilt, dass der Senat den Betrieb auf einem Teil des Netzes ausschreibt. Es wird aber auch geprüft, ob der gesamte Verkehr neu vergeben wird. Je nachdem, wie ein Wettbewerb gestaltet wird, böte er die Chance, dass die DB Konkurrenz bekommt. Wenn jedoch ein neuer Betreiber die neuen Züge selbst finanzieren müsste, könnte die Zahl der Bewerber „sehr gering“ ausfallen, warnte der Privatbahnverband Mofair nun in einem Brief an den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Er empfahl, den Kauf neuer Züge separat auszuschreiben, was der Senat derzeit prüft. Spezialisierte Finanzdienstleister könnten die Beschaffung übernehmen, die sich unter den Bedingungen eines Kommunalkredits abwickeln ließe, hieß es.

Taheri kritisierte, dass der Senat sich so lange Zeit mit seiner Entscheidung lässt. Der S-Bahn-Tisch will keine neuen Zugbetreiber. Mit einem Volksbegehren will das Bündnis erreichen, dass die Anforderungen für Privatbahnen so hoch gelegt würden, dass sie sich gar nicht erst bewerben. So fordert der vorgelegte Gesetzentwurf unter anderem, dass auf jedem S-Bahnhof Aufsichtspersonal anwesend ist. Zudem müsse an jeder Umsteigestation täglich zehn Stunden lang ein Ticketschalter geöffnet sein. Voraussichtlich am 7. Februar werde der Senat über den Entwurf beraten, sagte Taheri. Danach werde er dem Abgeordnetenhaus zugeleitet. Wird er dort wie erwartet abgelehnt, kommt es zum Volksbegehren – voraussichtlich in diesem Sommer.